Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Zwolftes Buch. Zweites Kapitel. 
aus. In den äußeren Stadtteilen erhoben sich neben den 
Buden der niederen Bevölkerung von der Truppe des Possen— 
reißers bis zum unverfälschten Diebsgesindel und neben den 
bescheidenen Wohnungen des Krautgärtners, den sogenannten 
Gartenhäusern (bisweilen verderbt Karthausen), die stolzen Hof⸗ 
anlagen der alten ratsberechtigten Geschlechter mit einem zinnen— 
und turmbekrönten Wohnhaus, mit weiten Räumen für Stallung 
und Dienerschaft, mit Lust-⸗, Wein⸗- und Würzgarten, mit 
Speichern für die Fruchternten vom Lande. Weite Zwischen⸗ 
räume trennten diese Anlagen auch noch im späteren Mittel⸗ 
alter; oft vermittelten nur Privatwege den Zugang, und auf 
den öffentlichen Wegen beschränkten hohe Mauern beiderseits 
die Aussicht auf die vornehme Umgebung. Das sind jene 
Gegenden, in denen sich jetzt auch in alten Städten Viertel mit 
geradlinigen, infolge späterer Parzellierung entstandenen Straßen 
hinziehen, in merkwürdigem Kontrast zu den verbauten Gassen 
und dem Lärm der Altstadt. 
Aber mit dem Eintritt in die eigentliche Altstadt änderte 
sich die Physiognomie der Straßen. Zwar begegnete auch hier 
noch da und dort ein abgeschlossener Hof, in dem sich eine 
religiöse Genossenschaft vor dem Geräusch des Alltagslebens 
barg, bisweilen waren an Kirchen und Klöstern wohl kleine 
Plätze für irgend einen Spezialmarkt, den Butter- und Fisch— 
verkauf ausgespart; im ganzen aber drängte sich jetzt Gasse an 
Gasse, und jede ward von meist hohen Häusern begrenzt. 
Vor allem fielen hier die Bauten auf, in denen sich 
der mittelalterliche Kleinhandel entfaltete. Von den ein— 
fachen Standplätzen an, durch die Bänke, Schrannen und 
Hütten hindurch bis zu den Buden und Gademen umfaßten sie 
bald mehr oder minder stationäre Verkaufsstände, die teilweis 
unter Standgeld für die Marktzeit vom Aufstecken des Stadt⸗ 
fähnleins oder dem Läuten der Marktglocke an verliehen wurden, 
teilweis auf länger vermietet oder in Erbpacht vergeben waren. 
Von ihnen allen ordneten sich durchgängig nur die Gademe der 
gewöhnlichen Straßenfront ein: kleine, vielfach zweistöckige 
häuschen, deren unterer Raum ganz vom Laden eingenommen
	        
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