Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

sich jedenfalls nicht darum; und seit 1574 war hier die Brauerei 
heimisch. Dagegen erhob das benachbarte Delft, das auf seine 
Biervorrechte stets sehr eifersüchtig war, Einspruch; schließlich 
einigten sich beide Städte 1612 dahin, daß nun Haag für 30 Jahre 
eine Brauerei mit zwei Kesseln unterhalten durfte. Nach und 
nach errichtete aber Haag eine Brauerei nach der anderen; 1687 
waren es drei, was jedesmal zu Protesten und neuen Abmachungen 
mit den benachbarten Braustädten führte‘). 
Im allgemeinen ist wohl nicht zu leugnen, daß seit der 
Mitteides: 17. JahrhundertsJösich die‘ hollän- 
dische Brauerei in dauerndem Kampfe um 
ihre wirtschaftliche Existenz befand. Gewiß 
hatten sich manche Mißbräuche eingeschlichen, die schädlich auf 
das Gewerbe wirkten; auch die mit den Tonnen getriebenen Miß- 
bräuche sind hierbei zu nennen. Andererseits lagen aber die Ursachen 
des allgemeinen Rückgangs der Brauerei mehr in den wirtschaft- 
lichen Verhältnissen, dem zunehmenden Genuß von Kaffee und 
Tee — den man nicht allein aus den Zuständen des Brauwesens 
erklären darf —, in der Abnahme des Exports, in den hohen Preisen 
der Rohstoffe. Ziffernmäßig war der Rückgang ja unbestreitbar. 
Noch 1748 zählte die Provinz Holland mehr als 100 Brauereien 
mit etwa 1200 festen Arbeitern; 1773 waren es noch 70 mit 1000 Ar- 
beitern, 1786: 57 Brauereien. Von diesen hatte Dordrecht 6, Haar- 
lem 3, Delft 4, Leiden 3, Amsterdam 12, Gouda 3, Rotterdam 9, 
Gorinchem 4, Schoonhoven, Alkmaar, Enkhuizen, Haag je 2, Schie- 
dam, Brielle, Hoorn, Medemblik, Purmerend je 1?). Gegen die 
Einfuhr fremder Biere waren schon 1769 die Generalstaaten durch 
ein allgemeines Verbot eingeschritten?). Man versuchte dann Ende 
des Jahrhunderts noch einmal, den völligen Verfall durch eine 
ll) Timmer, Om het bestaansrecht der Haagsche brouwnering; der - 
selbe, Uit de nadagen, S. 768 f. 
2) Timmer, ‚Gen.)brouwers, S. 267if. Nach Metelerkamp., I, 
S. 96 f., hatte Gouda 1518: 159, 1588: 126, 1803: 3 Brauereien. Selbstverständlich 
ist für den Nachweis des Rückgangs die Zahl der Arbeiter beweiskräftiger als die der 
Brauereien; die Verminderung der letzteren läßt jedoch keinen Zweifel an einem 
Rückgang aufkommen. 
3 Pringsheim, Beiträge, S.. 37. Nach Brugmans;, Opkomst, 
S. 215, beruhte der Verfall des Braugewerbes weniger auf dem geringeren Ver- 
brauch als der Einfuhr billigeren Bieres aus dem Auslande. 
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