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lische Gerbereien, wo in den Gruben 20, 30 und mehr tausend Pfund
Sterling angelegt finb 1 ); wie wenig die deutschen Manufakturen aber
das fremde Vorbild zunächst erreichten, dafür seien nur zwei Beispiele
angeführt; in der Sämischledermanufaktur zu Corbeil brachte man
zeilenweise wöchentlich 600 Büffelfelle in die Mühlen^), und die
Manufaktur zu St. Germain besaß 200 Gruben 3 ) (vgl. S. 290!).
Das deutsche Handwerk empfand sofort das Aufkommen der Manu
fakturen außerordentlich unangenehm und unterließ nichts, um den neuen
Fortschritt zu hindern. Wir haben aus der ersten Hälfte des 18. Jahr
hunderts oben bereits ein Beispiel angeführt. 1764 erließ das Weiß
gerberhandwerk zu Arau ein Rundschreiben an die süddeutschen Weiß
gerberhandwerke, in welchem es heißt: „Wie schädlich und zu großem
Nachteil die Fabriquen denen Meisteren, die Ihre Profession ehrlich
nach Handwercks-Gebrauch und großen Kosten erlehrut, darauf ge
wandert, auch allen Ehrlich und Redlichen Gesellen Ihr Geschenck samt
allem Handwercksbräuchlichem Vorschub getreulich zukommen lassen, sehe,
zeiget die diesmahlen in Collmar so stark angewachsene sowohl Roth als
Weißgerber Fabrique leyder! zur Genüge an. Nicht nur wird von
Ihnen die rohe Waar stark zusammengekaufft und vertheurt, sondern
auch der Verkaufs geschwächt und verringert, daß es einem Meister,
dessen Fond und Praetic nicht so stark, nicht möglich ist, nachzukommen,
folglich neben solchen nicht subsistiren kann.
Den größten Schaden aber und Verdrießlichkeit von solchen
Fabriquen empfinden nicht nur die nächst angränzende sondern auch
die entfernteste Meistere im ganzen Römischen Reich, und zwar in
Haltung und Förderung der Gesellen; Jndenie sie deren Redlichen
M^n Arbeit zum Teil nicht mehr nachgehen, oder wann Ihnen von
den Meisteren nicht gethan und verwilligt, ja alle Freyheit wird, was
sie begehren /: welches ehedem nicht gebräuchlich gewesen :/ so werfen
sie den Meisteren den Sack vor die Thüren und lauffen alsbald aus
der Arbeit und den Fabriquen zu; nachdem sie nun in solchen zum
Nachteil derer Redlichen M"" 1, 1 j i oder */* Jahr gearbeitet, lassen
sie sich vor */, fl. abstraffen, und sollen dann wieder vor redliche Ge
sellen passieren." Weiterhin bringen sie eine Reihe von Punkten in
Vorschlag, „welche ohne Zweifel den gesuchten Zweck erreichen werden"
und welche „denen redlichen Gesellen gar zu keinem Nachtheil gereichet,
weil doch jeder gedenckt, mit der Zeit selber auch Meister zu werden!"
Die Vorschläge sind die folgenden:
„1™° sollte keinen redlichen Gesellen Rheinisch oder Schwäbisch
’) Justi 1780, Bd. I, S. 107, 120, 123; Bd. II, S. 582ff.; Jung 1794,
®. 617. -) Schauplatz 1775, Bd. IV, S. 111.
3 ) Schauplatz 1766, Bd. V, S. 343, 421.