Contents: Der Weltverkehr und seine Mittel

Seilbahnen. 
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336. Obere Station der Gießbachbahn. 
(Längsschnitt durch die Rollengrube und den Wasserbehälter.) 
keil mit der Ketten- und Seilschiffahrt (Elbe, Rhein u. s. w.), nur daß bei dieser dis 
Treibkraft auf dem Schleppschiff selbst erzeugt wird. Bei der zweiten, am Mont Cenis 
erbauten Seilebene (größte Steigung 38 5 0 / 00 ) wandte Agudio statt des Schleppseils zum 
erstenmal die inmitten des Gleises verlegte doppelte Zahnstange an, in die beiderseits 
wagerecht liegende Stirnräder des Lokomotors eingriffen. Diese Antriebsweise finden wir 
später bei den Lokomotiven der Pilatusbahn (S. 140 u. 231) in abgeänderter Form 
wieder, wie denn diese neuere Bauart eigentlich eine Zahnbahn darstellt, deren Treibwagen 
die Betriebskraft ständig von außen zugeführt erhält. Derartige Seilebenen von 6 bezw. 
3 und 2,7 km Länge wurden seiner Zeit für die Gotthardbahn in Vorschlag gebracht, 
um die großen kostspieligen Tunnelschlingen bei Wasen, Dazio Grande und Giornico 
(vergl. S. 123 bis 126) zu vermeiden. Die Treibkraft zur Seilbewegung sollte aus 
der Reuß und dem Tessin mittels Tur 
binen gewonnen werden. Glücklicher 
weise verblieb es bei dem Vorschlage; 
denn die Gotthardbahn wäre dann nim 
mer eine Weltbahn geworden. 
Im Jahre 1884 end 
lich wurde der Agudiosche 
Teilbetrieb für die 3,1 km 
lange Bahn nach der 
Superga bei Turin verwendet. Die größte Steigung dieser Linie beträgt 200°/„o, der 
kleinste Krümmungshalbmesser 300 m. Das Seil wiegt 9750 kg und läuft mit etwa 
121/2 m Geschwindigkeit in der Sekunde. Der Treibwagen bewegt sich mit etwa 2 1 / 2 m 
Geschwindigkeit = 9 km in der Stunde und vermag eine Bruttolast von 36000 kg 
die Bahn hinauszuschieben. Die Bahn wird viel befahren, da die Superga durch die den 
Gipfel schmückende Grabkirche des italienischen Königshauses einen besonderen An 
ziehungspunkt bildet. 
Agudios Seilebene ist auch jetzt wieder bei dem in Aussicht genommenen östlichen 
Ausbau der S. 101 genannten Peruanischen Südbahn in Vorschlag gebracht. Hiernach 
soll durch sie der 2,b km lange Abstieg von dem 3820 m ü. M. gelegenen Puno (am 
Titicacasee) nach La Paz hinab mit 172°/ 00 Gefälle ge 
nommen werden. 
Erhöhte Bedeutung haben in den letzten Jahren die 
mit offenem Seil arbeitenden Seilbahnen durch Erschließung 
der Gebirgswelt erhalten. Sie sollen da 
her im folgenden etwas näher geschildert 
werden, zumal sie beredte Beispiele für 
den menschlichen Wagemut und Erfindungs 
sinn bilden. 
Wie schon im Abschnitt „Linien 
führung", S. 106 erörtert wurde, wählt 
man bei Steigungen größer als 300 °/ 00 
zweckmäßig den Teilbetrieb. Hierdurch wird die Arbeit erspart, welche beim Zahn 
bahnbetrieb durch die Eigenbewegung der schweren Lokomotive verzehrt wird, also 
nutzlos verloren geht, und die gerade hier bei den bedeutenden Steigungen beträcht 
lich sein würde. Anderseits hat auch der Teilbetrieb seine Nachteile. Einmal ist seine 
Leistungsfähigkeit eine beschränkte, und sodann hängt die Sicherheit des Betriebes in 
erster Linie von dem Zustande des Treibseiles ab. Die Gefahr eines Seilbruches be 
dingt besondere Sicherheitseinrichtungen und scharfes Überwachen des Seiles. Es kommen 
übrigens auch Seilbahnen mit geringerer Steigung vor. So hat die älteste dieser 
Seilbahnen, die 1862 auf dem Croix Rouffe bei Lyon erbaute 16O°/ 0 o Steigung, 
Mährend die älteste Schweizer Seilbahn Ouchy-Lausanne (1877 eröffnet) sogar nur 
f 16 °/oo größte Steigung aufweist. Die stärkste Steigung für diese Bahnen findet sich bis 
jetzt bei größeren Anlagen mit 634°/ 00 (1:1,5?) auf der Vesuvbahn. Steilere Bahnen 
43* 
337. Untere Station der EirHbachbahn. 
<Leitschtene sllr das Entleerungsventtl des Wagens.)
	        
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