Full text: error

zu entsprechend hohen Preisen verkaufen oder in Form des Renten 
guts verpachten konnte. Die Nachfrage nach so teurem Land war 
also demgemäß gering. 
Vorläufig ist noch immer das Pachtwesen die bei weitem vor 
herrschende landwirtschaftliche Unternehmungsform in England. 
Soll das anders werden, soll eine großzügige innere Kolonisation, 
eine Wiederbesiedlung des flachen Landes mit wirklich Landwirt 
schaft treibender Bevölkerung möglich werden, so müssen erst alle 
Hindernisse aus dem Wege geräumt werden, die diesem Ziel ent 
gegenstehen. Diese Hindernisse sind gesellschaftlicher und ökonomi 
scher Natur, sie sind zum Teil auf das engste mit der inneren engli 
schen Politik verknüpft. Es gilt zunächst, den Großgrundbesitz 
planmäßig zu zerkleinern, namentlich den in den sogenannten Entails, 
den englischen Majoraten, fideikommissarisch gebundenen, der einen 
großen Teil des englischen Bodens dem freien Verkehr entzieht und 
den Rest um so teurer werden läßt. 
Die modernisierte liberale Partei in England hat den Kampf gegen 
diesen Großgrundbesitz als einen Hauptpunkt in ihr Programm auf 
genommen und ihn mit der Besteuerung eng verknüpft. Die neue 
englische Erbschaftssteuer sieht so hohe Abgaben vor, daß der Groß 
grundbesitz, um sie bezahlen zu können, in der Regel Land ver 
kaufen muß; er kann aber auch an Stelle des geschuldeten Steuer 
betrages dem Staate direkt ein gleichwertiges Stück Land abtreten, 
das dann der Staat zu innerer Kolonisation verwenden will, so daß 
bei öfterem Besitzwechsel der Großgrundbesitz in dieser Mühle 
der Erbschaftssteuer nachhaltig zerrieben werden wird. Psycho 
logisch vorbereitet wurde der Boden für diese Gesetzgebung durch 
die Präzedenzfälle in Irland, wo man zugunsten der irischen Pächter 
die englischen Lords zu enteignen anfängt, und in Neuseeland, wo 
man durch scharfe progressive Besteuerung den Großgrundbesitzer 
zum Verkauf zwingt. 
Die Existenz des Großgrundbesitzes, namentlich des gebundenen, 
ist also das eine Hindernis der Ausdehnung der Kleinbetriebe, die 
man jetzt in England aus ökonomischen und sozialpolitischen 
Gründen anstrebt. Ein anderes Hindernis ist die Schwierigkeit des 
Absatzes landwirtschaftlicher Produkte. Dies ist ein spezifisch engli 
sches Verkehrsproblem. 
Wie bereits gesagt, liegt England als Insel, durch keine Zölle ge
	        
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