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Erstes Buch. Die Begründer.
Am bedeutsamsten ist jedoch die Auffassung von der natürlichen
Ordnung in ihren praktischen Folgeerscheinungen hervorgetreten.
Das ganze Gebäude der Verordnungen — das „ancien regime“ als J
ökonomische Gesellschaftsordnung —, ist durch sie zusammengebrochen. I
Und das auf folgende Weise:
Es genügt nicht, diese natürliche Ordnung zu kennen: man muß
sich auch danach richten. Wie soll das geschehen? Nichts einfacher,
da ja diese natürliche Ordnung „tatsächlich die dem menschlichen
Geschlechte vorteilhafteste ist“ 1 ). Nun aber wird jeder Einzelmensch
„ganz natürlich“ dem Weg zu folgen wissen, der für ihn der 1
vorteilhafteste ist. Er wird ihn in aller Freiheit 2 3 ) finden, ohne daß
irgendein Zwang, irgendein Polizeisäbel nötig ist, der ihn vorwärts
treibt.
Die psychologische Wage, die jeder Mensch in sich trägt — und
die man viel später das hedonistische Prinzip nannte — das die
Grundlage der neo-klassischen Schule ist, wird schon von Quesnay
prachtvoll ausgeführt 8 ). ‘„Den größtmöglichen Genußzuwachs bei
größtmöglicher Ausgabeverminderung erreichen, stellt Vollkommenheit
des Wirtschaftens vor.“ Das ist also auch die natürliche Ordnung.
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Und wenn ihr jeder folgt, so wird diese Ordnung, anstatt gestört zu I
werden, nur dadurch gestärkt. „Es beruht auf dem Wesensgrundsatz
der Ordnung, daß der Vorteil eines einzelnen niemals vom Vorteil
aller getrennt werden kann, und dies tritt unter der Herrschaft der
Freiheit ein. Die Welt läuft dann von selbst. Das Trachten
nach Wohlleben übt auf die Gesellschaft einen Bewegungsantrieb
aus, der zu einem beständigen Streben nach dem bestmöglichen Zu
stande wird. 4 ).“ Das heißt alles in allem: es gibt nur eins; die
Dinge gehen lassen (laisser faire) 5 * * ).
1 ) Baudeau, Ephemerides du Citoyen et passim.
2 ) „Die Gesetze (der natürlichen Ordnung) hindern in nichts die Freiheit des
Menschen . . . denn die Vorteile dieser höchsten Gesetze sind ganz offenbar das Ziel
der besten Wahl, die die Freiheit treffen kann.“ (Quesnay, Natürliches Recht,
— droit naturel — S. 55.) Und Mercier de la Riviere sagt (Bd. II, S. 617): „die
Aufrechterhaltung des Eigentums und der Freiheit läßt ohne Zuhilfenahme irgend
eines anderen Gesetzes die vollkommenste Ordnung herrschen.“
3 ) Dialogues sur les artisans (Gespräche über die Handwerker).
*■) Mercier de la Riviere, Bd. II, 8. 617.
6 ) Der Ursprung dieses berühmten Ausspruches ist sehr unsicher. Mehrere
Physiokraten, besonders Mirabeau und Mercier de la Riviere sprechen ihn Vincent
de Gournay (s. weiter unten) zu, aber Turgot, der doch ein Freund Vincent
de Gournay’s war, und eine- Lobrede auf ihn verfaßt hat, schreibt ihn (in etwas
anderer Form — laßt uns nur machen — laissez-nous faire —) einem Kaufmann der
Zeit Colbert’s, Legendre, zu. Nach Ohcken stammt das Wort vom Marquis d’Argenson,
der es in seinen Memoiren schon 1736 gebraucht. Da das Wort an sich recht banal
ist und nur deshalb einigen Wert hat, weil es die Devise einer großen Schule ge-