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Meine Herren, ich bin beauftragt, Ihnen einen Vortrag
zu halten über die Lage, die durch die wirtschaftliche Entwickelung
der Industrie im Osten und ihre Einwirkung auf das Bevölkerungs
problem geschaffen ist. Ich selbst bin aus dem Westen vor nicht
langen Jahren in den Osten gekommen und stehe den östlichen
Verhältnissen insofern mit ähnlichen- Gedanken gegenüber, wie
ein großer Teil von Ihnen, die aus dem westen zu diesem Kurs
gekommen sind. Der entscheidendste Eindruck, den alle gehabt
haben werden, die aus dem westen in die Ostmark gekommen
sind, ist wohl der, daß große Teile des Ostens auch heute noch
nicht germanisiert sind, wenigstens wenn man unter „germanisiert
sein" versteht, daß Bevölkerung und Wirtschaft durchaus deutschen
Eharakter tragen, daß keine grundlegenden Differenzen zwischen
der Kultur des Ostens und der des Westens bestehen. Aber der
Osten gehört in weitem Umfang polnischer Kultur an. Die Polen
behaupten ihn, und verhüllt oder unverhüllt tritt auf ihrer
Seite die Anschauung hervor, daß diese Grenzgebiete in der
Hauptsache den Polen gehören, und uns allen wird nach ein
gehender Beobachtung mehr oder weniger deutlich das zum
Bewußtsein gekommen sein, daß hier in der Ostmark ein Streben
nach polonisierung, nach Slavisierung besteht, wir haben
den Kampf um die Ostmark und nicht allein um den
Boden der Ostmark auf diesem alten Kolonialgebiet
noch einmal wieder aufzunehmen.
von Deutschland aus gesehen, ist der ganze Osten Kolonial
boden, und wir müssen, um einer schiefen Auffassung vorzubeugen,
von vornherein feststellen, daß er trotz aller Kolonisations-
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