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ansässigen Bankiersfamilien Ladenburg, während den Aufsichts
ratplatz des stellvertretenden Vorsitzenden und einen weiteren
Sitz hierin die Berliner Discontogesellschaft innehatte.
Die Beweggründe, die die Herren Ladenburg veranlaßten
ihren alleinigen Einfluß aufzugeben, liegen hauptsächlich in den
damaligen Wirtschaftsverhältnissen: Dem sich gewaltig steigernden
Kredit-Bedürfnis der Industrie und des Handels Mannheims konnte
die alte Firma als Privat-Bank nicht mehr in ausreichendem
Maße gerecht werden, da sie als solche ihre Betriebsmittel nicht
beliebig vermehren kann, wie dies bei einer Aktiengesellschaft
bis zu einem gewissen Grade der Fall ist.
Um daher bez. ihrer Kapitalstärke auf ihrer bisherigen Höhe
zu bleiben und zugleich der steigenden Konkurrenz der anderen
Kredit-Banken gewachsen zu sein, sahen sie sich dem Strom
der Zeit folgend genötigt, die alte Privat-Bank umzugründen.
Das Gründungskapital der neuen A.-G. betrug 20 Mill. M., während
sie gleich zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit sich kommanditistisch
an dem Frankfurter Privatbankhaus E. Ladenburg mit 5 Mill. M.
beteiligte. Welche Höhe umgekehrt die Beteiligung letzteren
Bankhauses und insbesondere der Berliner Discontogesellschaft
an der Süddeutschen Discontogesellschaft A.-G. erreicht hat, geht
aus den Geschäftsberichten beider Aktienbanken nicht hervor,
obschon gerade die Kenntnis der Höhe des Aktienbesitzes
der Berliner Großbank von hohem Interesse wäre. Dadurch,
daß das Direktorium fast ausschließlich aus Mitgliedern der
Ladenburgschen Bankierfamilie bestand, konnte die junge A.-G.
die Vorteile ihrer jetzt gesteigerten Kapitalkraft verbinden mit
den Vorzügen, die eine Privatbank über korporative Bankgesell
schaften besitzt: die eingehendste, meist persönliche Kenntnis
ihres Kundenkreises. Hierdurch war es auch gelungen, der Bank
den starken Zustrom von Depositen zu erhalten, der sie schon
vor ihrer Umgründung vor den anderen Mannheimer Banken
ausgezeichnet hatte und welchen sie eben diesem engen Personal
konnex zwischen Bankdirektorium und dem geldgebenden Publikum
mit verdankt.