Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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können, als in der Smithsclien Auseinandersetzung geschehen 
ist, wenn nicht die unglückliche, recht kleinbürgerliche Idee 
von der Capitalbildung iin Wege des Sparens überall vorge 
herrscht und alles freiere ökonomische Denken in Fesseln ge 
schlagen hatte. Smith hat in der That mit seiner Darlegung 
gegen die Misslcitiingcn der Capitalicn zu viel bewiesen. Seine 
Vorstcllungsart mag gegen die Einschränkungen und Aus 
schliesslichkeiten zutreffeu; hieraus folgt aber noch nicht, dass 
jede kunstmassige, positiv organisirende und ohne Beeinträch 
tigung Anderer direct schaffende Thatigkeit, die über die indi 
viduelle Initiative hinausreicht, eine unnatürliche Missleitung 
der verfügbaren Wirthschaftsmittel enthalten müsse. 
Die Nothwendigkeit, innere Steuern und nach Aussen ge 
richtete Zölle mit einander auszugleichen, wird von unserm 
Autor zugegeben. Hiemit tritt er aber aus dem Gebiet der 
reinen Natürlichkeit in dasjenige der künstlichen Belastungen 
der Concurrenz. Sein Princip muss hier selbstverständlich 
darauf abzielen, derartige Lasten für alle Goncurrenten in jeder 
Richtung gleichzumachen. Da aber hier stets praktische 
Schwierigkeiten vorhanden sind And immer nur eine rohe 
äu SS erliche Aequilibrirung der offenbaren Consumtionsbelastun- 
gen möglich ist, so würde die volle Gonsequenz des Smithsehen 
Natürlichkeitsgrundsatzes erst mit der Wegschaffung aller in- 
directen Steuern gezogen werden können. 
9. Die Schwachen des Smithsclien Systems haben für die 
Nachfolger meist die entschiedenste Anziehungskraft gehabt, 
und oft genug sind umgekehrt die bessern Seiten am häufigsten 
ungofochten worden. Diesem letzteren Schicksal ist in meh 
reren und zwar nicht in den schlechtesten Richtungen die ver- 
haltnissmässigc Folgerichtigkeit verfallen, mit welcher der 
Schotte das materielle Gebiet als etwas Selbständiges abgrenzte 
Und hiemit die Verworrenheiten ausschloss, die durch unkritische 
Annäherungen der ökonomischen Begriffe und der geistigen 
oder sonstigen mit der materiellen Production nicht in director 
Reziehung stehenden Verrichtungen entstehen müssen. Es ge- 
iiört nur wenig Gewandtheit in der Behandlung der Begriffe 
dazu, um sich zu überzeugen, dass kein Ende abzusehen ist, 
sobald man einmal darauf verzichtet, das materielle Gebiet als 
Solches ins Auge zu fassen. Die geistigen Berufsstände sind 
z. B. nicht materiell productiv. Wollte man aber im Widor- 
Uuhring, Geschichte der Nationalökonomie. 2. AuÜago. 11
	        
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