fullscreen: Weltporto-Reform

— 1'65 — 
mal da sie ja zum Lande liinausgescliickt und dort von fremden Ver 
waltungen befördert, bearbeitet und bestellt werden. Aber aucb eine gleich 
hoch vermehrte Zahl der von ausserhalb eingehenden und vorbearbeiteten 
fremden Briefe erscheint im Gesamtverkehr unwesentlich. Denn bei 
einer hohen Steigerung von 40% im ersten Jahre würden in beiden 
Richtungen erst je 40 Millionen Briefe mehr zu bearbeiten sein; wenig 
genug bei einem Jahresverkehr von 7% Milliarden und einer Jahres 
steigerung von 562 Millionen Sendungen! Auch bei einem Mehr von 
200 Millionen würden auf jede der 34 072 Eeichspostanstalten durch 
schnittlich nur 5882 Briefe jährlich oder 16 Briefe täglich entfallen, die 
mehr als jetzt (1907) zu befördern wären, und auf jeden der Briefträger, die 
sie bestellen, täglich noch viel weniger. Auch wenn in vielen Verkehrs 
orten diese Briefmengen weit höher ausfallen, so sind sie im Gesamtbestell 
dienst doch nur ganz geringfügig und verursachen schwerlich erhebliche 
Mehrausgaben, die man sicher ihnen allein zur' Last legen könnte. Das 
gilt sowohl inbezug auf das Personal wie auch für Beförderungs 
mittel nnd Packmaterial. Letzteres wird für 100 Millionen Briefe zu 
je 10 g, also für 1 Million Kilogramm = 1000 Tonnen, oder für 100000 Päckchen 
von 10 kg schwerlich mehr als je 10 Pf. für je 10 kg betragen. Ich weiss 
das nicht genauer, aber ich mutmasse es. Dann kämen aber erst 10 000 Mark 
an Packmaterial für 100 Millionen Briefe heraus; und selbst 
der zehnfache Betrag würde noch im Gesamtausgabeetat der 
Reichspost: 590 Millionen Mark (1907), so gut wie Null sein. Die 
Beförderungsmittel aber müssten doch erst vermehrt werden, sofern sie 
bereits sehr vollständig ansgenutzt sind, was oft gar nicht zutrifft. 
stärker zugeiiommon, doch sind sie kein Ersatz für das besondere Verkehrsmittel der 
Postkarte, auch dürfte ihre grössere Zunahme vielfach auf andere Kreise fallen. 
Auch die ausserordentlichen Zeitungsbeilagen wurden am 1. Juli 1906 
im Porto von 1 / 4 auf 1 / 2 Pfg. erhöht. Dieser Viertelpfennig hat aber überraschend grosse 
Wirkungen ausgeübt. Der Verkehr im Reiohspostgebiet war folgender: 
1904 : 228,96 Mill. St. Zeitungsbeilagen 
1905 : 251,18 „ „ „ (+ 22,22 Mill. =-j- 9,70 °/ 0 ) 
1906 : 285,54 „ „ „ (— 15,64 „ =— 6,28 °/ 0 gegenüber dem Jahre 1905) 
1907:173,87 „ „ „ (-77,31 „ = — 30,9 o/ 0 „ „ „ „ ) 
Also dieser Verkehr ist in l 1 ^ Jahren um 77 Millionen oder 31 °/ 0 gesunken, 
während der gesamte allgemeine Briefpostverkehr im übrigen gerade von 1905 bis 1907 
um 28°/ 0 , von 1906 bis 1907 um 10,61 °/ 0 zugenommen hat, durch die günstige wirtschaft 
liche Lage zweifellos mit beeinflusst. 
Wenn Ortskarten und Zeitungsbeilagen seitl906um etwa 150Millionen 
Stück nachgelassen haben, so sehen wir doch, dass diese Summe bei einer Gesamt- 
stiickzahl von 7667,4 Millionen Postsendungen der Reichspost (1907) nur eine 
geringe Rolle spielt (2°/ 0 ) und offenbar wenig Einfluss ausübt auf die Mehr 
oder Mindereinstellung von Personal. 
1899 betrug die Gesamtstückzahl der Reichspostsendungen 4414 Millionen (darunter 
177,6 Mill. Packerei- und Wertsendungen), 1900 waren es 5094 (182,2), 1902 : 5515 (194,8), 
1905 : 6234,7 (210,3), 1906 : 7104,9 (227,9) und 1907 : 7667,4 (236,1). 
Die Personalvermehrung aber geht ziemlich regelmässig ihren 
alljährlichen Gang, wobei zu beachten bleibt, dass 1901 die Beamten der auf 
gehobenen 81 Privatposten grösstenteils von der Reichspost mit übernommen wurden . 
1897—1899 fand alljährlich ein Zugang von 2100 Unterbeamtenstellen statt, 1900 
bis 1902 waren es 2500, 2900 und 8200; 1903 bis 1905 je 2000, 1906 — trotz der Verkehrs- 
yerminderung — 2500, 1907 ; 3800. Die schlechte Finanzlage hat diese Stellenvermebrung 
im Etat dann zeitweilig eingeschränkt (1908 : 2190; 1909: 1600). Im Landbestelldienste 
kamen 1905 hinzu 500 Stellen und 1906—1908 je 600 Stellen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.