Full text: Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre

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2 Bibli ) 
Gerade als es auftauchte, erwies sich, daß seineAZeit 
erfüllet war und er zusammenbrechen mußte. 
Es ist für unsere Aufgabe erforderlich, auch den Grün® Kie\* 
den dieses Zusammenbruches noch etwas nachzugehen, | 
Wenn man das Auftreten von Adam Smith und das 
Faszinierende seiner Lehre allein für das fast geschlossene 
Abschwenken der Kameralisten in das nationalökonomische 
Lager verantwortlich zu machen sucht, so sieht man, wie 
mich dünkt, nur eine von mehreren zusammenwirkenden 
Ursachen. 
' Eine solche weitere Ursache war zunächst das allmäh- 
liche Absterben der Merkantilidee, die schon bei Darjes, 
dem Frankfurter Kameralisten Friedrichs des Großen, sich 
deutlich ankündigt. Es ist unverkennbar, daß mit dem Weg- 
fall dieses Mittelstückes das ganze Gebäude schwer erschüt- 
tert werden mußte. 
Was dem Kameralismus aber am meisten zum Verhäng- 
nis gedieh, ist nach meiner Auffassung die Vernachlässigung 
der Spezialforschung, insbesondere in der Privatökonomie. 
Der Kameralismus ist über das schwierige 
akademische Problem: das Verhältnis von 
Lehre und Forschung zu Fall gekommen. 
Zufolge ihres riesenhaften Lehrauftrages waren nämlich 
die Kameralisten in zunehmendem Maße Encyklopädisten 
geworden. Während die Vorakademiker ganz ausgespro- 
chene Politiker, die ersten Akademiker insbesondere auf dem 
Gebiete der Landökonomie noch beachtliche Spezialforscher 
waren, sind die späteren fast nur noch Stoffsammler, -ordner 
und -übermittler gewesen. Stoffsammler und Encyklopädisten 
können nun zwar einzelne Personen in einem Fache sein, 
niemals aber kann ein ganzes Fach selbst sich auf diese 
Aufgabe beschränken. Wenn der Forstmann Bernhardt spä- 
ter in bezug auf sein Fach von den Kameralisten sagte, daß 
sie vergessen hätten, daß eine echte Wissenschaft vom Walde 
nur bei inniger Anlehnung an die Wirtschaft im Walde mög-
	        
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