Full text: Kameralwissenschaften und vergleichende Betriebswirtschaftslehre

in I) 
schäftigt und deren Charakter als automatischer Gewinn- 
regulator gegenüber den Preisschwankungen jetzt erkannt 
worden ist, hat an sich schon Thaer gesehen. 
Thaer schreibt beim Kapital: „Man sollte noch ein 
drittes Kapital unterscheiden, welches bei den Manufaktur- 
gewerben in dem Vorrat des zu bearbeitenden Materials 
besteht: das Material-Kapital. Es gehört in einer 
Hinsicht zu dem umlaufenden, weil sein Stoff verbraucht 
wird, in anderer Hinsicht zum stehenden, weil es immer 
in einem fast gleichmäßigen Bestande erhalten werden muß.“ 
Als Schmalenbach mehr als 100 Jahre später den eiser- 
nen Bestand wieder entdeckt und als erster fruchtbar ge- 
macht hat, konnte er ihn fast nur mit den gleichen Worten 
beschreiben. 
Wenn man erlebt hat, in welcher Weise an den: ersten 
Handelshochschulen Betriebswirtschaftslehre getrieben wor- 
den ist, und wie vor allen Dingen die engeren Betriebs- 
fragen nur langsam in Bearbeitung genommen worden sind, 
kann man das lebhafteste Bedauern darüber, daß die mer- 
kantile Betriebswirtschaftslehre bei ihrem Wiederaufbau 
nicht an die Kameralisten angeknüpft hat, nicht unter- 
drücken. 
Als drittes Erbgut ist schließlich noch die betriebswirt- 
schaftliche Systematik des Kameralismus zu betrachten. 
Daß die akademischen Kameralisten auf diesem Gebiet 
etwas geleistet haben, ist bereits genügend hervorgehoben 
worden. Auch hier wäre es zu wünschen gewesen, daß die 
Erneuerer der systematischen Forschung an sie angeknüpft 
hätten. 
Wichtiger aber als das Positive ist für unsere Be- 
trachtung das Negative, was uns ihr Streben, zu einem 
System zu kommen, lehrt. 
Dieses Negative liegt in einem Doppelten begründet. 
Zunächst hat gerade das Suchen nach Systematik einen 
wesentlichen Teil ihrer Kraft beansprucht und sie gehindert, 
der Problematik der einzelnen Erscheinungen näher zu kom- 
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