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die Sehnsucht nach mehr Weite und Dreiheit des Kulturlebens, das
verlangen nach einem klareren Lrkennen und nach mehr künst
lerischem gestalten. Line Verbindung dieser beiden Üntriebe, das
war der grundzug meines Ltrebens; beides miteinander sollte
einer Lcbenserhöhung dienen, und es durchdrang mich ein zuver
sichtlicher glaube, nach dieser Dichtung etwas leisten zu können.
Vlies nähere mustte sich allmählich weiterbilden, aber gegen einen
verneinenden Zweifel war ich gesichert. Diesen Bestrebungen konnte
ich aber nicht nachgehen ohne eine innere Kluft mit meiner Heimat
und dem von ihr gebotenen Leben zu empfinden. Das Leben
dort hatte einen festen Boden, und es war im Kerne tüchtig, aber
es hatte keine Probleme des ganzen Menschen, wie sie mich von
Jugend auf bewegten, es verwandelte das Dasein zu wenig in
volle Helbsttätigkeit. von diesem Lebensproblem aus mustte ich
auch die Unzulänglichkeit der dort gebotenen Keligion stark emp
finden. Man liest sich die Keligion willig gefallen, man fiüchtete
sich in trüben Lagen zu ihr, aber man hatte kein dauerndes inneres
Verhältnis zu ihr, man hatte kein starkes verlangen nach ihr. Da
zu stand mir der schroffe gegensatz des modernen Kulturlebens
mit seiner unbedingten Lebensbesahung und der christlichen Lebens
verneinung mit klaren Zügen vor Vugen. Dabei bleibe ich durch
mein ganzes Leben meiner Heimat aufrichtig dankbar für die stille
Kühe, die ungestörte Lntwicklung meiner Kräfte, auch für manche
persönliche Qnregungen, aber die Hauptrichtung meines Weges
mustte ich selbst suchen, und ich habe sie nicht ohne manche Mühe
gefunden.
Zn solcher Ltimmung habe ich die Keife nach göttingen in
Begleitung eines Üuricher Htudiengenoffen angetreten. Meine
Mutter folgte mir einige Wochen später. Durch freundschaftliche
Vermittlung war eine kleine Ltage am Markt in göttingen für
uns gemietet. Mit groster innerer Lrregung habe ich diese Keife
begonnen. Qm frühen Morgen mustten wir zunächst auf der
Post von llurich nach Lmden fahren, um die Lisenbahn zu er
reichen. Ls war mir eine graste Lreude, von den damals entsetz
lichen Landstrasten durch die Lisenbahn befreit zu werden; ich
segnete in gedanken das Qndenken des Lrfinders. Zn Lmden
empfingen mich neue Lindrücke. Ültere Ltudenten begleiteten uns.
Über die Linrichtung der Ltudien wurde eifrig gesprochen, ich
must dabei einen sehr naiven Lindruck gemacht haben. Zch wollte
womöglich alle Hauptgebiete erfassen und namentlich eine zu
sammenfassende Weltanschauung entwickeln. Zene Lreunde hatten
gute gründe, mir davon abzuraten; sie meinten mit Kecht, nur in
einer Wissenschaft könne man die Methoden beherrschen, in den
anderen müsse das Lrgebnis genügen. Über mir erschien das als