fullscreen: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

_ Wir ‚haben diesen klugen Bemerkungen nichts hinzuzu- 
fügen. Uns scheint die Politik des Reichsarbeitsministeriums 
n diesem Punkte sehr verbesserungsbedürftig. Staats- 
politisch gesehen wäre die Annahme des Antrages Lam- 
bach zu begrüßen, der Soziale Hauptwahlen wünscht, die 
Jurch den Reichswahlleiter durchzuführen wären: 
„Das Gesetz soll zur Herausarbeitung der wirklichen Be- 
deutung der sozialen Wahlen die Enischeidung über die Zu- 
sammensetzung der in sämtliche sozialen Körperschaften 
zu entsendenden Vertretungen der Arbeitgeber, der Arbeiter 
und Angestellten in je einen einzigen Wahlgang legen. 
Es soll, um das zu ermöglichen, im Arbeitsgerichtsgesetz, 
als demjenigen Gesetz, das die Gesamtheit der Arbeitgeber 
und Arbeitnehmer erfaßt, an Stelle der jetzigen Berufung 
der Arbeitsrichter Wanlen einführen, bei denen neben den 
wirtschaftlichen Vereinigungen auch freie Gruppen, die eine 
bestimmte Anzahl Unterschriften aufbringen, Wahlvor- 
schläge einreichen dürfen 
Die Wahlen sollen für’ Arbeitgeber, für Angestellte und 
für Arbeiter gesondert durchgeführt werden. 
Das bei diesen „Sozialen Hauptwahlen“ erzielte Stimm- 
verhältnis soll jeweils bis zur nächsien „Sozialen Haupt- 
wahl“ den Schlüssel für die Verteilung der Sitze bei den 
übrigen sozialen Körperschaften abgeben. 
Der Gesetzentwurf soll möglichst alle Wahlen und Be- 
rufungen in der Angestellten-, Invaliden-, Knappschafts-, 
Unfall, Kranken-: und Arbeitslosenversicherung sowie zu 
den Versicherungsbehörden durch Berufungen nach diesem 
Schlüssel ablösen Die Einrichtung der Wahlbezirke nach, 
geographischen und beruflichen Grenzen ist diesem Ziele 
dienstbar zu machen, 
Bei der Abfassung des Gesetzentwurfs ist vor allem 
darauf zu achten, daß an Stelle der jetzigen Zersplitterung 
des sozialen Wahlwesens die Einheitlichkeit, an Stelle des 
Durcheinanders von Wahlen und Berufungen eine den Ver- 
teilungsschlüssel feststellende Hauptwahl, an Stelle der ver- 
schiedenartigen, oft angefochtenen Schlüssel für die Vertei- 
lung ein Hauptwahlschlüssel, und an Stelle der Bevorzugung 
EEE Gruppen der freie Entscheid aller Wahlberechtig- 
en tritt.“ * 
Ob der Reichstag einen solchen Antrag annehmen wird, 
ist zweifelhaft, jedenfalls Scheint aber die Mahnung ver- 
gessen zu sein, die Minister Dr. Delbrück bereits 1908 im 
preußischen Abgeordnetenhaus aussprach, daß wir bei all 
unseren sozialpolitischen Maßnahmen immer von der Auf- 
fassıung ausgehen müßten, sie so zu gestalten, daß sie nicht 
statt zur Förderung des Sozialen Friedens zur Förderung 
des sozialen Unfriedens ausfallen. 
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