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Kriege vor allem die Geld- und Finanzfragen in der Literatur kriegswirtschaftlich
eingehend erörtert, während vorwiegend Bank- und Kreditorganisationen
für den Kriegsfall besprochen wurden, sind jetzt die Produktions- und
Verteilungsorganisationen an erste Stelle gerückt, und viele Geld- und Finanzprobleme,
so wichtig und bedeutsam sie auch noch immer sein mögen —
findet doch die Zentralisation der Industrie zum Teil bankmäßig statt —, sind
an zweite Stelle getreten. Im Vordergrund steht die Frage: wie gelingt es, alle
Kräfte für den Sieg nutzbar zu machen? Es wäre ja ein sehr interessantes
Problem, festzustellen, weshalb man diese Frage im Frieden mit geringerer
Intensität stellte, wieso gar viele sie überhaupt nicht stellten, sondern Produktionseinschränkungen,
Massenarbeitslosigkeit, Auswanderung
und derlei wie eine Art Fatum hin nahmen oder
mindestens als etwas, das nicht durch die Grundlagen der Markt- und Kreditordnung
bedingt war. Dabei kann man nicht einmal sagen, daß dies daher
rühre, weil die herrschenden Kreise der wohlhabenderen Bevölkerung weniger
von den Krisen betroffen worden seien, sie hatten unter ihnen genügend zu
leiden. Der Gründe gibt es viele, einer ist die große Schwierigkeit, welche
sich dem Verstehen der Geldwirtschaft entgegenstellt. Wenn man die Krisentheorien
seit hundert Jahren betrachtet, kommt einem das genügend deutlich
zum Bewußtsein. Aber welches nun auch die Gründe dieser unzureichenden
Einsicht waren, der Krieg kümmerte sich nicht darum, Mangel trat ein, und die
vorhandenen organisatorischen Ansätze reichten zusammen mit der Gemütsverfassung
aus, daß man sofort daran ging, durch Staats- und Verbandseingriffe
aller Art mit ganzer oder teilweiser Umgehung des Geldkalkuls die notwendigen
Kräfte und Rohstoffe unmittelbar für die Kriegszwecke heranzuziehen. Es
wurde bis zu einem gewissen Grade eine staatliche Naturalwirtschaftsverwaltung
großen Stils geschaffen, die besonders in Deutschland
eine erhebliche Durchbildung erfahren hat. Hat man früher Fabriken stillgelegt,
um das Geldeinkommen der Kartellmitglieder zu erhöhen, so legt man jetzt.
Fabriken still, um wichtigere Produkte statt unwichtigerer zu erzeugen. Den
führenden Stellen ist die Naturalrechnung entscheidend.
Dabei wird aber auf die überkommene Ordnung wesentlich Rücksicht genommen.
Der Fabrikant, den man zur Produktion heranzieht, erhält eine ausreichende
Entschädigung, auch sonst ist so viel von der Geldwirtschaft übrig
geblieben, daß handelsmäßige Gewinne in reichem Maße, nach Anschauung sehr
vieler in zu reichem Maße noch erzielbar sind. Aber nicht das ist wesentlich,
ob die Geldeinkommen noch eine große Rolle spielen, wesentlich ist, daß sie
für den Produktions- und Verteilungsvorgang nicht mehr so entscheidend sind
wie früher. Die Geldordnung ist in mehr als einer Richtung ihrer Macht entkleidet.
So durch Organisation der Produktion und Verteilung von Produkten
seitens des Staates oder staatlich kontrollierter Verbände, dann dadurch, daß die
Abgabe von Rohstoffen usw. an einzelne Personen autoritativ beschränkt erscheint
und daß auch innerhalb dieser Abgabe alle möglichen Einschränkungen vorgenommen
werden, sei es durch autoritative Verfügung, sei es durch Appell an
bestimmte Kreise der Bevölkerung. So, wenn z. B. lokal verlangt wird, daß
die wohlhabenderen Kreise auf den Konsum von Schweinefleisch verzichten
sollen, um der armen Bevölkerung zu Hilfe zu kommen, so, wenn wohlhabende
Kreise die nur den ärmeren zugänglichen Nahrungsmittel nicht konsumierten,
sondern sich an den Luxuskonsum im engeren Sinne hielten. Hierher gehören
auch die Ansätze zur Preisdifferenzierung, die dahin gehen, daß z. B. dieselbe
Ware an Reiche zu einem höheren Preis als an Arme abgesetzt wird, wobei hervorzuheben
ist, daß die Preisdifferenzierung ja auch in der freien Marktwirtschaft
Vorkommen kann, dort aber im Interesse des Reingewinnes erfolgt.
Wenn wir nun in Anbetracht dessen, daß die Naturalwirtschaft in der
Gegenwart sich so entfaltet hat, ihr eine entsprechende Theorie schaffen, so
gewinnen wir damit die Möglichkeit, alle bedeutsamen Veränderungen theoretisch
festhalten und den Einfluß der einzelnen Einrichtungen wirklich studieren
zu können, ganz unabhängig davon, ob man nun darin beginnende Dauerformen
sieht und begrüßt, wie etwa Jaffé, oder die Neubildungen nur für
vorübergehend hält und sie als Dauergebilde ablehnt, wie etwa Fuchs.