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Umstand, der zwar auch für Locke, aber in noch höherem
Grrade für Petty gilt, und dies ist derjenige, der noch am ehesten,
lüit der übrigen Beschaffenheit seiner Rolle und Schriftstellerei
‘lüszusöhnen vermag. Es hat nämlich eine Art von natur
wissenschaftlicher Denkweise einen grossen Antheil an mehreren
brauchbareren Ideen. So ist z. B. schon der Titel seiner Haupt
schrift, der Anatomie von Irland (Political survey [or anatomy]
of Ireland etc., zuerst 1691), eine Andeutung davon. Er selbst
erklärt in der Vorrede, dass es auf das Knochengerüst eines
Landes ankomme, und dass man sich vor allen Dingen solche
Kenntnisse aneignen müsse, die mit denjenigen, welche ver
möge der Anatomie für den Körper gewonnen werden, eine
Aehnlichkeit haben. Gänzlich neu waren nun freilich derartige
Gesichtspunkte nicht. Bekanntlich legte grade Hobbes, zu dem
Petty Beziehungen batte, grosses Gewicht auf eine Betrach-
füngsart, welche sich schon in dem Ausdruck politischer Körper
zur Bezeichnung des Staats ankündigte. Auch hatte jener
Philosoph nach der strengeren Seite hin unter besserem natur
wissenschaftlichen Einfluss gestanden, als der ihm im Denken
gänzlich ungleiche Petty. Ausserdem darf man von Gleich
nissen, auch wenn sie auf naturwissenschaftlichen Anschauungen
beruhen, für den weiteren Eortschritt nicht zuviel erwarten,
sie nur zum Ausdruck noch unentwickelter Gedanken dienen
nnd später den ohne Umschweif auf die Sache gehenden Be
griffen oder reineren logischen Vorstellungen Platz machen
nrüsseu. Dennoch ist aber bei Petty der fragliche Sachverhalt
nicht allzu gering anzuschlagen, weil der Autor seine Anie
gvingen aus seiner eignen medicinischen Bildung erhielt und
daher in seinem naturwüchsigen Vorstellungsspiel ein gewisses
Maass von Originalität nicht verleugncte. Zwar ist sein Ver
gleich der Rolle des Geldes mit derjenigen des Fettes im Körper
nicht allzu gelungen, aber doch im Hinblick auf die giöbeicn
Ausartungen der mercantilen Vorstcllungsart immerhin als die
Kidäuterung einer besseren Einsicht anzuerkennen. In einer
^bnlichen Weise sind andere Consequenzen des Analogisirens
und noch dazu in einer, wie man einräumen muss, nicht grade
Überladenen Fassung der Bilder ausgeführt und häufig genug
unch unabhängig durch directe Vorstellungen deutlicher ge-
niacht worden. Wir können hienach getrost annehmen, dass
äuch schon zu jener Zeit sogar das rohere naturwissenschaft-