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So sind die Arbeiter in der Regel so überarbeitet, ermüdet, abge
spannt, dass sie zum Schluss des Sommers sich ganz erschöpft fühlen,
ln der Erntezeit werden keine Feiertage gefeiert. Manchmal wird auch
an Sonntagen gearbeitet.
Infolge einer so übermässigen Arbeit leiden viele Arbeiter an
Erschöpfung des Nervensystems; auch die spezifischen Krankheiten z. B.
die des Mähers und die des Einlegers an der Dreschtrommel sind sehr
verbreitet.
§ IX. Unfälle und Berufskrankheiten der Arbeiter.
Es sind die schweren Arbeitsbedingungen im südrussischen Acker
bau, die ausser schlechter Nahrung, unhygienischer Wohnungsverhältnisse
und übermässiger Arbeitszeit eine ungewöhnlich grosse Zahl von Unfällen
und Berufskrankheiten hervorrufen.
Das Gesetz vom Jahre 1886 über die Arbeitsbedingungen der
Landarbeiter setzt der Willkür der Arbeitgeber keine Schranken. Es
sind keine Regeln bezüglich der Kinderarbeit, Frauenarbeit, bezüglich
der Schutzvorrichtungen bei den landwirtschaftlichen Maschinen u. dgi.
vorhanden. Und da der Arbeitgeber oder Gutsverwalter sich sehr wenig
um vorsichtige Behandlung der Maschinen seitens der Arbeiter kümmert,
so kommen Unfälle während der Arbeit sehr häufig vor. Es sind die Be
richte der auf den Naturalverpflegungsstationen dienenden Aerzte, die uns
als einzige Quelle über die Unfälle und Berufskrankheiten der Landarbeiter
dienen.
Die Naturalverpflegungsstationen sind nicht nur zum Zwecke der
Ernährung und des Arbeitsnachweises, sondern auch in noch grösserem
Masse als Sanitätswache, als Krankenpflegestationen errichtet. Während
der Getreideernte, überhaupt zur Zeit der angespannten Arbeit stellen
die Naturalverpfiegungsstationen ein «Kriegslazaret» dar, wo die im
Kampf Verwundeten liegen. Die Räume einer solchen Station sind voll
Kranker, Verwundeter, von einem Unfall Betroffener. Die Zahl der
Unfälle wächst jedes Jahr.
So wurde im Jahre 1895 nach den Eintragungen bei allen Natural
verpflegungsstationen im Kreise Cherson von allen beschäftigten Arbeitern
3,41 °/o von Unfällen betroffen, im Jahre 1899 dagegen 5%. Es ist
vor allem die starke Verwendung der Kinderarbeit, die eine grosse Zahl
von Unfällen bei den Kindern zur Folge hat. Die Kinder unter 15 Jahren
werden entweder von Arbeitgebern gedungen, oder freiwillig von ihren
Eltern als Hilfskräfte für verschiedene Arbeiten verwendet. Besonders
viel werden die Kinder bei den Maschinen beschäftigt. Oft kommt es
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