Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

: Quellenkunde 
graphie, Epigraphik, Chronologie und Metrologie zu den offiziellen phi- 
lologischen Hilfsdiziplinen gerechnet werden kann. Für den Exegeten 
gelten als ordnungsmäßige Helfer außer dem weiten Gebiet der Orien- 
talia insbesondere die biblische Einleitung, Geschichte, Chronologie, 
Geographie, Archäologie, Philologie und Theologie; trotzdem wird er 
z. B. für die Erklärung der Parabeln Jesu nicht selten auch bei den 
Naturwissenschaften eine Anleihe machen müssen, während er sich für 
eine gründliche Behandlung der Heilungswunder des Herrn selbst auf 
medizinische Studien angewiesen sieht. 
Zuweilen mag es bei derartigen ineinander greifenden Stoffen 
schwer sein zu entscheiden, wem die Bearbeitung zuzuweisen ist, ob 
z. B. dem Philologen oder dem Theologen. Die Entscheidung wird in 
der Regel davon abhängen, welches Fach bei der Behandlung des 
Gegenstandes die Führung zu übernehmen hat. Kommt es z. B. be- 
sonders auf die richtige Auffassung und Darstellung der Lehre eines 
altchristlichen Schriftstellers an, oder ist die Herstellung und Inter- 
pretation eines patristischen Textes davon wesentlich beeinflußt, so ist 
die Aufgabe in der Regel als vorherrschend theologisch zu betrachten 
und einem philologisch gebildeten Theologen zu überlassen. Jedenfalls 
muß aber bei solchen Stoffen das eine wie das andere Gebiet mit seinen 
ihm eigentümlichen Quellen und Hilfsmitteln in gebührender Weise 
berücksichtigt werden (vgl. Bernheim, Hist. Meth. 282 f). 
Ein schönes Beispiel für die gründliche Beachtung der Grenz- 
gebiete gab der „Vater der christlichen Archäologie“, Giovanni Bat- 
tista de Rossi. Da er bei der Erforschung des christlichen Altertums 
mit seinen Denkmälern und Inschriften auf Schritt und Tritt neben 
seinen archäologischen Fachkenntnissen auch der theologischen Wissen- 
schaft bedurfte, scheute er nicht vor der keineswegs geringen Mühe 
zurück, mit ausdauerndem Eifer den theologischen Vorlesungen an der 
Gregorianischen Universität während mehrerer Jahre zu folgen. Der 
spätere Erfolg zeigte, daß er nicht umsonst so großen Wert darauf 
gelegt hatte, in jeder Beziehung wohlgerüstet an sein Lebenswerk her- 
anzutreten‘). 
5. Das Verhältnis zu den Quellen wird bei den ver- 
schiedenen Teilen einer wissenschaftlichen Arbeit nicht 
überall das gleiche sein. Hinsichtlich des Haupt- 
gegenstandes der Untersuchung und aller seiner wesent- 
lichen Punkte muß es als unverbrüchliche Regel gelten, 
stets so weit als möglich zur ursprünglichen 
Quelle vorzudringen und sich nicht mit den Angaben 
') Ich entnehme diese Angaben über de Rossi den mündlichen 
Mitteilungen von Professoren der Universita Gregoriana in Rom. 
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