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so viele Zwischenglieder, daß die Schlußergebnisse bei Änderungen
der Voraussetzungen sehr stark variieren können.
In einer anderen Abhandlung!) berührt er die Frage der Ver-
doppelungsperiode. Auf dem Lande stirbt jährlich 1 von 50, und
24 Geburten kommen auf je 23 Sterbefälle. Er rechnet damit, daß
dies im Laufe von 1150 Jahren eine Verdoppelung der Bevölkerung
ergebe. Wenn die Sterblichkeit */3g ist und 5 Geburten auf je 4
Todesfälle kommen, ist der jährliche Geburtenüberschuß 1 auf je 120,
and die Verdoppelungsperiode sollte dann 120 Jahre sein (in Wirk-
lichkeit würde man bei Anwendung der Formel über den Zinseszins
33 Jahre bekommen).
Für Petty gilt es nun, zu einem Durchschnittsergebnis zu ge-
'angen. Bei einer Sterblichkeit von !/,, auf dem Lande und !/39 in
London rechnet er mit !/,, als der Normalen für Stadt und Land zu-
sammengenommen. Für die Geburten hat er die oben erwähnten
Quotienten ?/,3 und 5/,; hieraus bildet er, etwas willkürlich, !%/ als
Normale. Der natürliche jährliche Zuwachs solle somit !/;;9 und die
Verdoppelungsperiode 360 Jahre sein (Zinseszinsrechnung würde etwa
250 Jahre ergeben). Da nun die Einwohnerzahl Londons sich in
40 Jahren verdoppele, müsse sie anno 1800 über 5 Millionen sein,
und außerhalb der Stadt müßten 4 Millionen leben. Wenn dieser
Punkt erreicht sei, würde London stagnieren. Petty betrachtet eine
Verdoppelung im Laufe von 10 Jahren als physiologisch möglich,
aine Hypothese, die bekanntlich über 100 Jahre später von Malthus
yenutzt ward.
Auf dem ganzen Erdenball leben nach Petty 320 Millionen
Menschen. Er stellt nun darüber Betrachtungen an, wie die Bevöl-
kerung der Erde seit der Sintflut gewachsen sein könne bei einer
anfänglichen Verdoppelung in 10 Jahren und später in längerer und
längerer Zeit. Zu Mose Zeiten sei die Gesamtbevölkerung der Erde
\6 Millionen gewesen.
23. Während Graunt und Petty mathematischer Strenge ent-
behrten, war dies nicht mit dem berühmten englischen Astronomen
Edm. Halley (1656—1742) der Fall; er brachte die politische
Arithmetik durch seine Untersuchungen über die Bevölkerungs-
verhältnisse der Stadt Breslau ein beträchtliches Stück vorwärts.
{n Breslau hatte man lange schon periodische Verzeichnisse
über Geburten und Todesfälle geführt und konnte demnach die
Entwicklung seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verfolgen. Ein
1) a. a. O0. 8. 460£.