Object: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Arbeilerpsychologie. 
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der Arbeiter selbst an gleichmäßiger Produktion gegeben. Dabei 
reigt sich zuerst eine auffällige Schwankung der Leistungen tm 
Jahresdurchschnitt, und zwar läßt sich ein genauer Jusammcn- 
bang mit der Lufttemperatur feststellen. Dies kommt in doppelter 
Weise zur Erscheinung. In den heißen Monaten verhalten sich 
die Leistungen aller oder doch beinahe aller Glasmacher von 
Woche zu Woche umgekehrt wie Steigen oder Fallen der Lust- 
temperatur; in der kalten Jahreszeit sind die Leistungen durchwegs 
höher als in der w.armen. Für diese Leistungssteigerung nn 
Winter kommen freilich auch noch andere Gründe in Betracht, 
die erhöhten Anforderungen der Lebenshaltung in Heizung, Rler- 
dung und Nahrung, das weihnachtsfest, das besondere Anstren 
gungen der Arbeiter auslöst, um für diesen Zweck etwas übrig zu 
haben. Sehr merkwürdig ist die Feststellung, daß die Nachtarbeit 
— in den Glashütten muß kontinuierlich gearbeitet werden — 
geringere Schwankungen in Quantität und Qualität zeigt als die 
Tagarbeit; nur gegen Schluß der Nachtarbeit macht sich die natür 
liche Ermüdung in einem etwas stärkeren Fallen der Leistung 
bemerkbar. Diese Beobachtung wird durch die früher erwähnte 
Unfallstatistik des Neichsversicherungsamtes allgemein bestätigt; 
es lernt sich daß die Unfallziffer der Tagschicht die der Nachtschicht 
bedeutend übersteigt, obgleich die schlechtere Nachtbeleuchtung 
eine neue Gefahrenquelle darstellt. Die Erklärung kann nur auf 
psychologischem Gebiete liegen; die größere Ruhe in der Nacht, 
der Mangel an Alblenkung läßt die Aufmerksamkeit wacher sein 
als am Tage, wir wissen also, daß die Leistungen des einzelnen 
Arbeiters sehr stark schwanken, so bei einem unserer Glasmacher 
im Wochendurchschnitt während des Jahres von 85,5—121%. der 
Normalleistung, also um nicht weniger als 45%%. Der germsste 
bei 1? Arbeitern beobachtete Unterschied im wochenvurchschnitt 
belief sich immer noch auf 14,6%, also den siebenten Teil der Ge 
samtleistung. Ähnliche Schwankungen haben Untersuchungen über 
die Leistungen in einer Weberei ergeben. Solcher Untersuchungen 
besitzen wir jetzt schon eine ganze Reihe, namentlich seit der ver 
ein für Sozialpolitik der Frage seine Aufmerksamkeit zugewandt 
hat. Zwar ist die Wissenschaft der von Max web e r so ge 
nannten „Psychophysik der Arbeit", d. h. der Wissenschaft welche 
die Zusammenhänge der besonderen Veranlagung des Arbeiters 
und der Gesamtverumständung mit der Arbeit und umgekehrt der 
Rückwirkung der Arbeit auf den Arbeiter feststellen will, noch ganz
	        
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