thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 27 
denn ein schon so unvoreingenommenes Denken bestand im Grunde 
noch nicht. Was man für die antike Welt zunächst suchte, das 
war nicht ein historisches, d. h. unparteiisches Verständnis ihres 
Ganzen, sondern man war nur bestrebt, sich zunächst vornehm— 
lich in die ästhetische, später vornehmlich in die sittliche Seite 
dieser Welt in praktischem Enthusiasmus einzuleben. Darum 
kam es bloß zu einem mittelbaren, teilweisen und gleichsam 
unbewußten geschichtlichen Verständnis der Antike als einer 
fremden Zeit und damit nur zu einem noch verschleierten ge⸗ 
schichtlichen Horizonte überhaupt. Das, was man erkannte, 
war die Verschiedenheit innerhalb der menschlichen Entwicklung, 
die Differenz zwischen Antike und Gegenwart überhaupt. Ver— 
schlossen dagegen blieb noch die geschichtliche Vetrachtung des 
Werdens der Antike und damit die Einsicht in die grundsätz- 
liche Verschiedenheit des Geschehens zu verschiedenen Zeitaltern 
bei demselben Volke. Und so erschien wohl das Verständnis 
der Differenzen des Geschehenen gefördert, nicht aber das Ver⸗ 
ständnis des inneren Zusammenhangs dieser Differenzen. Es 
war ein Standpunkt, von dem aus wohl eine bunte Sammel⸗ 
archäologie der verschiedensten historischen Gegenstände entwickelt 
zu werden vermochte, nicht aber eine wirkliche geschichtliche 
Einsicht. 
War aber die antike Überlieferung wirklich so vollständig, 
daß sie auf alle nunmehr wichtig erscheinenden Seiten des Lebens 
auch nur in dem beschränkten Sinne, der soeben festgestellt 
wurde, hätte einwirken können? 
Es wird sich später ergeben, daß auf wissenschaftlichem 
Gebiete die ersten großen Errungenschaften des neuen Zeitalters 
schließlich in einem vertieften Verständnis der Natur bestanden. 
Und dies Verständnis wurde durch den Nachweis bestimmter 
Gesetzmäßigkeiten in den Naturvorgängen begründet. Dazu 
bedurfte es nun aber einer Betrachtungsweise, die den Alten 
gänzlich ferngelegen hatte. Die Natur der Mittelmeerländer, 
die den Menschen zum vollen Leben in ihr, in von Stein leicht 
zusammengetürmten Wohnräumen anleitet, verleibt fich den 
Menschen weit mehr ein, als dies in den, Ländern ienseits der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.