Die Formulierungen der Greifbarkeit durch die Schätzung der
Bauwürdigkeit auf Grund des Bedarfs wird nun wesentlich er-
leichtert, wenn man das ganze Problem des Haushaltens mit den
begrenzten Vorräten auf die Gegenwart und die nächste Zukunft,
sagen wir auf ein oder einige Jahrzehnte einstellt, nicht aber auf
Jahrhunderte. Gewisse große Vorräte verleiteten dazu, sich geo-
logisch mit einem Reichtum für Jahrhunderte zu trösten, während
das doch wirtschaftlich gar nichts besagt. Denn nicht auf den Vor-
rat im ganzen kommt es in der Wirtschaft an, sondern lediglich
auf die Jährliche, technisch mögliche und kaufmännisch absetz-
bare Förderung. Kein Vorrat nützt, wenn er nicht realisierbar
ist; diese Realisierbarkeit aber liegt in so engen und so unsicheren
wirtschaftlichen Grenzen, daß uns die fernere Zukunft absolut ver-
schleiert ist und wir uns einigermaßen sicher nur mit den Gegen-
warts- und den allernächsten Zukunftsverhältnissen auseinander-
setzen können, aber durchaus nichts über die weitere Zukunft
wissen. Technik und Wirtschaft entwickeln sich so schnell und
immer schneller, daß wir über den nächsten Bedarf und über die
daraus folgenden Preise nichts Sicheres aussagen können. Weder
dürfen wir aus stetigen Bedarfssteigerungen der Vergangenheit
ständig erhöhte Nachfrage nach gewissen Rohstoffen annehmen,
noch Verbilligungen der Förderungen aus verbesserter Technik
folgern, noch auch auf höhere Absatzpreise infolge knapperer För-
derung schließen: vielmehr können alle diese Verhältnisse infolge
der Ersatzmöglichkeiten des einen Rohstoffes durch den
anderen *), infolge der wachsenden sozialen Schwierigkeiten in der
Arbeiterfrage und infolge ganz neuer Grundlagen der Kraft- und
der Verkehrswirtschaft sich schnell und gründlich ganz anders ge-
stalten. Gerade die Erfahrungen des letzten Jahrzehntes und die
gegenwärtig schwebenden Probleme der Rohstofferzeugung und
des technischen Bedarfs beweisen uns deutlich, daß es wirtschaft-
lich nicht auf sehr große Vorräte, sondern auf große Förder-
*) Es werden ja nicht bestimmte Rohstoffe benötigt, sondern gewisse Ei gen-
schaften; die Träger derselben Eigenschaft können verschieden sein, auch
organische statt anorganische Rohstoffe, z. B. Holz statt Eisen, Gummi statt
Stahl.
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