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Präsidenten enthielt. Die Mitarbeit der Reichsbank bei der Bank für Inter
nationalen Zahlungsausgleich ist damit ihres Zwangs charakters entkleidet.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Reichsbank und den Ministerien
war dadurch geschaffen, daß der ReichsbaNkpräsidcnt grundsätzlich zu den
Kabinettssitzungen zugezogen wurde. Als die Devisen- und damit im Zu
sammenhang die Rohstofflage sich verschärfte, wurde der Reichsbankpräsident
Dr. Schacht gleichzeitig mit der Führung der Geschäfte des Reichswirt
schaftsministers betraut.
ö)Der Reichsbank-Ausweis
Regelmäßige, und zwar wöchentliche, Veröffentlichungen schrieb zuerst
das Peelsche Bankgesetz von 1844 für die Bank von England vor.
Diesem Beispiele folgten nach und nach die anderen Zentralnotenbanken
der Welt. Den Bankausweisen wird als Wirtschaftsbarometer
großes Interesse entgegengebracht. In knappen Ziffern geben sie ein gutes
Bild vom Stande der Wirtschaft, vor allem beim Vergleich der Ziffern mit
den entsprechenden Vorterminen (Vorwoche, Vormonat, Vorjahr). Be
einflußt werden die Bewegungen auch vom Geldbedarf der einzelnen Werk
tage, von großen Steuerterminen oder ähnlichem.
Die Reichsbank gibt 4mal im Monat (per 7., 15., 23. und letzten jedes
Monats) ihren Status bekannt. Diese „wöchentliche" Veröffentlichung um
faßt also nicht immer, wie bei der Bank von England oder bei der Bank
von Frankreich, einen Zeitraum von genau 7 Tagen. Alle selbständigen
Bankanstalten teilen ihre Ziffern für die Ausweistage an die Hauptbuch
haltung in Berlin mit.
Die Posten, die der Wochenausweis enthalten muß, gibt 8 36 des Bank
gesetzes an. Die 3 Posten, die früher dem Reichsbank-Ausweis ihr Ge
präge gaben, waren: Notenumlauf, Gold- und Devisenbestände, Wechsel-
portefeuille. Da die Summe von Gold, Devisen und Wechseln ungefähr der
Menge der umlaufenden Noten entsprechen mußte, konnte es sich nur um
eine Änderung des Verhältnisses der Gold- und Devisendeckung zum
Wechselbestande handeln. Heute sind zur Beurteilung eines Reichsbank-
Ausweises noch 2 andere Posten von Wichtigkeit: die Giroverbindlichkeiten
und die deckungsfähigen Wertpapiere.
Auf der Aktivseite wird die Reihenfolge der Posten durch den Flüssig
keitsgrad bestimmt.