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Reduktion ber weibliche» linb Kinderarbeit sozusagen keine
grundsätzlichen Gegner, sondern nur noch Gegner ans Oppor-
tnnitätsgründen finden, so darf man diese Erscheinung nicht
blos dein guten Herzen für Abhülfe sozialer Uebelstände zn-
schreiben, sondern der durch die Verhältnisse sich aufdrängen
de» Einsicht, der Ueberprodnktion gegenüber sich ans dem
Standpunkte der Nothwehr zu befinden, in welchem Stadium
man jeweilen zu den Nächstliegenden Waffen greift. Insoweit
die Ueberprodnktion sich schon durch die bloße Beschränkung
der Arbeitszeit aufheben ließe, so wäre eine Lösung noch
immer schwierig genug, weil die gegenwärtige Produktion nicht
inehr einen national- oder gar lokalwirthschastlichen Charakter
besitzt, sondern einen tvelttvirthschaftlichen. Um der Ueber
prodnktion durch Einschränkung der Arbeitszeit die Spitze zu
brechen, genligt es nicht, das; ein Produktionsland einseitig
die Arbeitszeit rednzirt, sondern das andere Produktionsland
muß Schritt halten. Die Frage der Abriistnng ans produk
tivem Gebiete hat heute viel Aehnlichkeit mit derjenigen der
Abrüstung ans militärischem. Jedermann ist überzeugt, daß die
Abriistnng ans beiden Gebieten ein unendlicher Segen für
Länder und Völker wäre, daß die jetzigen Zustände aus die
Dauer unhaltbar sind. Niemand wagt aber den ersten Schritt
zu thun, in der Furcht, sein Nachbar würde ihn im Stiche
lassen und er müßte die unter Umständen sehr theure Zeche
bezahlen. Was bis jetzt auch von staatlicher Seite der ver
schiedensten Länder in anerkennenswerthester Weise in Bezug
ans Reduktion der Arbeitszeit gethan lourde hatte aber sehr
wenig Werth für die wirthschaftliche Prodnktionsregelung,
sondern es war nur eine Schutzlvehr gegen die ärgsten sozialen
Mißstände. Anderseits lvird man diese ans die Dauer und
in glücklicher Weise gar nicht beseitigen können, wenn keine
eigentliche Organisation der Produktion erreicht wird. Man
darf sich aber nicht verhehlen, daß die bloße Reduktion und
Regnlirung der Arbeitszeit, so unentbehrlich sie ist, allein nicht