hunderts nicht mehr mitgemacht. Daher hatten sie, im
wesentlichen im Geschmack des 18. Jahrhunderts zu-Sammengebracht,
zwar ungeheuere Schätze, aber dafür
auch sehr große Lücken. Sehr vieles, was im Laufe
der Zeit in den künstlerischen Gesichtskreis der
Kulturvölker getreten war, fehlte. Vor allem wohl
war es die Kunst des 19. Jahrhunderts und der Gegen-Wart,
welche nicht oder nur mit unbedeutenden Bei-Spielen
vertreten waren, bei der Abteilung der Zeich-Aungen
war auch auf die primitive Zeit kein großes
Eiche gelegt worden. So waren einzelne Künstler,
16 erst später berühmt geworden sind, unzulänglich
vertreten oder fehlten. Die Sammlung besaß zum
Beispiel früher keine einzige echte Guardi-Zeichnung.
Viel besser stand es mit der alten Graphik, die in
ne entscheidenden Zeit, Wende des 18. zum 19. Jahrundert,
schon mit Absicht auf Vollständigkeit ge-;ammelt
wurde. Hier kam nur das 10. Jahrhundert
.M gewisse primitive Spezialitäten, wie die Einattdrucke,
zur Ergänzung.
Die Möglichkeit der Schließung dieser Lücke war
Knade in diesem Zeitraum gegeben, da durch eine
ES Umschichtung der europäischen Besitz-Sale
tnisse ein außerordentlich reiches Material der
en en Kunstwerke auf den Markt kam und wenighabe
zu Beginn der Periode verhältnismäßig billig zu
War en Auf staatliche Mittel zu diesem Zweck
che m it zu rechnen, aber die Sammlung besaß glückeine
sehr große Anzahl zum Teil auch
laube er Doubletten, die sie zu verwerten die Ertender
erhielt. Aus den dadurch gewonnenen bedeu-,
A Mitteln konnten die dringendsten Lücken geun
ssen werden, Es wurden ungefähr 3000 Zeichbei
Sen und über 1000 graphische Blätter erworben,
atnee em Gesamtbestand von nicht ganz 30.000 Zeichkann
Ya cwas mehr als 10%, des alten Stockes. Es
gedacht ier nicht der zahlreichen Einzelergänzungen
daß werden, es möge genügen, darauf hinzuweisen,
fran ‚Banze Schulen neu aufgebaut wurden, so die
20. Jahr ns und deutsche Schule des 19. und
Österreich underts. Merkwürdigerweise war auch die
so daß ische Kunst früher vollständig vernachlässigt,
709 hier bei der Neuformierung mehr als
Or de „X er Blätter Neuerwerbungen sind. Ganz be-Von
ae stark wurde die italienische Kunst ergänzt.
eneafern so wertvollen, überaus seltenen primitiven
als 40 0 ce es 14. und 15. Jahrhunderts sind mehr
besaß X "na a Von Tizian beispielsweise
sie heute ymmlung kein einziges echtes Blatt; was
N eapolitani Desitzt, ist neu hinzugekommen, Die
AUS neus © e „Schule ist zu mehr als zwei Drittel
Auf n eständen formiert worden usw.
pm Gebiet bilden die Ergänzungen
Wnderts " a systematischen Aufbau des 19. Jahr-Würden
in nen er Gegenwart. Von älteren Drucken
Md kos ba erem Maße nur die so überaus seltenen
en gotischen Einblattdrucke ergänzt.
Die alte Hofbibliothek hesaß die größte Sammlung
uf diesem Gebiete. auf der ganzen Welt. Dazu
:;onnten noch ungefähr 12% an Neuerwerbungen
zommen. Diese Ankäufe sind deshalb auch wichtig,
veil ein großer Teil derselben aus Klosterbesitz
tammt und die Blätter, die zu dem ältesten
Xunstgut Oesterreichs gehören, sonst ins Ausland
‚egangen wären.
Diese Ankäufe waren vor allem deshalb notwendig,
veil die Sammlung nunmehr, als staatliche Zentralammlung,
die berechtigten Wünsche aller derjenigen,
velche sich hier mit Handzeichnungen und Graphik
’eschäftigen, zu erfüllen hat. Sie waren die Voraus-;‚etzung
dafür, daß die Sammlung nicht nur Gelehrtennteressen
dient, sondern auch, darüber weit hinauszehend,
der Gesamtheit der Bevölkerung etwas zu
»ieten hat. Die Lebendigmachung der Sammung
innerhalb des kulturellen Lebens von Wien war
‚om Anfang an ein Hauptbestreben der Albertina,
lie durch Veranstaltung von Ausstellungen,
/orträgen und ähnlichen Aktionen immer veruchte,
mit der Oeffentlichkeit in Kontakt zu kommen.
Jies ist denn auch in einem sehr hohen Maße geungen.
Die Albertina ist nicht nur die am meisten
jesuchte graphische Sammlung der Welt, ihr Besuch
st ein wesentlich höherer als der in London und
Zerlin. Die Albertina hatte in der Zeit vom
. April bis 30. Juni 1928 eine Besucherzahl, die
zusammen mit den dort nicht eingezählten Sonntagsührungen
6200 Personen umfaßt, das ist weit mehr
ıls ein Drittel, fast die Hälfte der Besucherzahl des
Cunsthistorischen Museums und fast zwei Drittel der
besucher des Naturhistorischen Museums. Interessant
st auch zu beobachten, was das Publikum benützt.
Jas Wiener Publikum sucht im Studiensaal vorviegend
die Kunst des 10. Jahrhunderts und der
"zegenwart und sieht die alten Meister lieber in den
\usstellungen, während das sehr zahlreiche Fremdenyublikum
(die Albertina ist in England und Deutschand
so bekannt wie selten ein künstlerisches Institut)
1auptsächlich die großen alten Meister in den Räumen
ler Sammlung sucht.
Ueber die Bestrebungen zur Popularisierung wurden
edoch auch die wissenschafllihen Aufgaben. der
jammlung keineswegs vernachlässigt. . Die wichtigste
sufgabe, welche eine Sammlung in dieser Beziehung
zu leisten hat, ist die Schaffung eines allen Anforlerungen
der wissenschaftlichen Technik entsprechenden
Cataloges. Kin solcher wird von dem gegenwärtigen
Jirektor Dr. A. Stix herausgegeben. Zwei stattliche
3ände, welche die venezianische und die altniederändische
Schule enthalten, sind bereits erschienen.
n ihnen ist jede Zeichnung in einer für wissenschaftiche
Zwecke hinreichenden Größe abgebildet. Außerlem
war die Sammlung der Nährboden für eine
ıroße Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten ihrer
Jeamten und anderer Wiener Kunsthistoriker