Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

auch dem Minister bekannt! Die Instandsetzung und -haltung vor- 
handener Anlagen erfordere nicht einmal hohe Aufwendungen. 
In überraschender Weise wurde hier („Deutsche Tageszeitung” 
vom‘ 18. 1. 28) aus dem Munde eines großagrarischen Landbund- 
führers alles das bestätigt, was die Kommunisten im Reichstag und 
Preußischen Landtag anläßlich der wiederholten schweren Mißernten, 
Unwetterkatastrophen und Dauerüberschwemmungen in verschie- 
denen Teilen Deutschlands im Interesse der arbeitenden Bauern- 
schaft gesagt und gefordert haben. Die Kommunisten haben als 
erste auf die verbrecherische Vernachlässigung und Verwahrlosung 
der Stauanlagen, Voriflutgräben, Dämme und Deiche, Drainagen 
hingewiesen und zugleich ausreichende Mittel für zinslose Darlehen 
und verlorene Zuschüsse an bäuerliche Gemeinden, kleine Besitzer 
und Pächter verlangt, sowie die staatliche Zwangsdurchtührung aller 
notwendigen großen Entwässerungs- und Deicharbeiten unter Um- 
legung der Kosten auf den kapitalistischen Großbesitz, 
Die kapitalistischen Regierungen, Behörden und Organisationen 
haben natürlich für diese Art der Meliorationen — die ja auch Richt- 
hofen nur aus Demagogie in der Polemik gegen Steiger befürwortet — 
kein Interesse. Ihr Augenmerk war jahrelang nur auf die sogenannte 
„Oedlandkultivierung“ gerichtet, jener Heide- und Moorflächen also, 
die fast ausschließlich in Privateigentum des großen Grundbesitzers 
sind und zu deren Meliorierung durch eine besondere halbstaat- 
liche Gesellschaft (Dökult) Jahr für Jahr ansehnliche Summen 
hinausgeworfen wurden, Bereits 1926 waren aus den Mitteln der 
liquidierten Reichsgetreidestelle 82,2 Millionen Mark als Dar- 
lehen zu 4—4% Prozent für diese Art Meliorationen zur Verfügung 
gestellt worden. Mit Hilfe dieser Mittel waren rund 300 000 Hektar 
Moor- und Oedland in Kultur genommen bezw. wesentlich ver- 
bessert worden. Die Meliorationen wurden und werden in der 
Weise durchgeführt, daß Heide und Moor von der obengenannten 
Gesellschaft urbar gemacht und dann an die Privateigentümer gegen 
Eintragung einer Hypothek zurückgegeben werden. Nur ein kleiner 
Teil wird für Siedlungszwecke verwandt, 
Später beschloß der Reichstag, laufende Zuschüsse zur „Zinsver- 
billigung‘“ zu geben, und zwar zunächst auf 5 Jahre, wofür im ganzen 
30 Millionen Mark in Aussicht genommen sind, Die Raten von 
je 6 Millionen Mark wurden erstmalig im Nachtragsgesetz 1927 und 
lann im Etat 1928 angefordert. Man hofft damit, jöhrlich eine 
Kreditsumme von 150—200 Millionen Mark so zu 
verbilligen, daß der Meliorationsunternehmer an Zins- und Ver- 
waltungskostenzuschlag nicht mehr als 4% vom Hundert zu zahlen 
hat. Die Unternehmer (Wasser- und Meliorationsgenossenschalften, 
Gemeinden, Deichverbände, Ööffentlich-rechtliche Siedlungsgesell- 
schaften, aber auch. Privateigentümer) müssen ihre Pläne behördlich 
nach meliorationstechnischen und landwirtschaftstechnischen Ge- 
sichtspunkten prüfen lassen, Ausführung und Unterhaltung wird 
behördlich überwacht. Die Rentenbankkreditanstalt ist beauftragt, 
den Hauptteil der zu verbilligenden Kreditsumme im Auslande zu
	        
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