Full text : Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Boden- und Getreidespekulant, Vieh-Börsianer, Aktionär oder Eigentümer
 industrieller, die Agrarprodukte verarbeitenden Fabrikanlagen,
 Damit erweist sich auch die in Deutschland heute noch
vorherrschende Bodenverfassung als überlebt; Bauernhof und Rittergut
 reichen als Wirtschaftsgrundlagen nicht mehr aus. Die Frage der
Schaffung landwirtschaftlicher Aktiengesellschaften, Konzerne und
Kartelle oder bäuerlicher Produktivgenossenschaften wird schon
lebhaft. diskutiert und zum Teil bereits durch die Praxis beantwortet.
Die landwirtschaftlichen Genossenschaften aber verwandeln sich
immer restloser in große marktbeherrschende Syndikate. Soweit
sie Kreditgenossenschaften sind, ändern sie ihre Funktionen, werden
aus Sparkassen vieler Einzellandwirte zu einer riesigen Röhrenleitung,
durch die das große Finanzkapital, meist. durch Vermittelung des
Staatsapparates, jene Milliardensummen _ in die Landwirtschaft
hineinpumpt, die zur beschleunigten Industrialisierung und Rationalisierung
 der Betriebe notwendig sind und wodurch es zum wahren
Eigentümer des Bodens und zum Einkassierer der Grundrente wird,
Entsprechend der geringen Konzentration des agrarischen
Kapitals nimmt ‚dieser Prozeß vielfach die Formen staatskapitalistischer
 Maßnahmen an, insbesondere auf dem
Gebiete der Kreditbeschaffung (Rentenbankkreditanstalt und Zentralgenossenschaftskasse,
 Umschuldung unter Staatskontrolle mit staatlicher
 Sicherung), auf dem Gebiete der Absatzorganisation (Reichsgetreidehandelsgesellschaft,
 Kuratorium für Technik in der Landwirtschaft,
  Reichsviehverwertungsgesellschaft, Standardisierung mit
Staatskontrolle}, und auf dem Gebiete der Weiterverarbeitung
agrarischer Produkte {staatlich subventionierte Fabriken), sowie der
Exportkreditversicherung und Lombardierung, Dies alles bedeutet
keineswegs etwa eine Umwandlung des reaktionären altpreußischen
Junkertyps in einen liberal-fortschrittlichen Unternehmertyp, wie
das sich die sozial-reformerischen Anhänger der. „Wirtschaftsdemokratisierung‘“
 erträumen, sondern im Gegenteil die Verbindung
der barbarischen Ausbeutungsformen des halbfeudalen Hörigensystems
 mit den modernen Ausbeutungsformen des „Amerikanismus”.
Die durch die technische Revolution in der Landwirtschaft beschleunigte
 Annäherung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse des Landproletariats
 an das Industrieproletariat, die wachsende Auswechselbarkeit
 von Industrie- und Landproletariern, die steigende Verbindung
 der Agrarbetriebe mit industriellen Fabriken, wodurch der
Typus des gemischt agrarisch-industriellen Betriebes und des
abwechselnd in der Landwirtschaft und in der Fabrik arbeitenden
Landproletariers entsteht, sind für die Perspektive der proletarischen
Revolution von größter Bedeutung, Die KPD. muß alle Kräfte dransetzen,
 um diesen ‚Tendenzen der modernen Entwicklung zum
Durchbruch zu verhelfen, um die sich anbahnende Verschmelzung
von Land- und Industrieproletariat nach Kräften zu fördern, um dem
organisierten‘ Industrieproletariat seine Aufgabe der Organisierung
und politischen Schulung des noch rückständigen, in seiner Zerstreuung
 wehrlosen Landproletariats klar zu machen, Aber nicht
            
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