Metadata: Grundzüge der Theorie der Statistik

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ben behandelte, wo nach Fällen, die als gleich möglich betrachtet 
werden können, gefragt wurde. In sehr vielen Fällen wird man die 
gegenseitige Unabhängigkeit der Ereignisse als dermaßen sicher an- 
sehen, daß sich eine nähere Untersuchung nicht zu verlohnen scheint; 
man wird daher apriorisch so verfahren, als ob die Ereignisse un- 
abhängig seien; in anderen Fällen kann sich die Sache ganz umge- 
kehrt verhalten, und in sämtlichen Fällen vermag in Wirklichkeit 
aur die Erfahrung die Frage zu beantworten. 
Es ist z. B. lediglich Erfahrungssache, daß die Wahrscheinlich- 
veit der Erkrankung an Masern eine ganz verschiedene ist, je nach- 
Jem es sich um Menschen handelt, welche diese Krankheit nie oder 
solche, die sie bereits früher gehabt haben. Im allgemeinen heißt 
es, Masern bekäme man nur einmal; der Sinn dieser Redensart kann 
nur der sein, daß, während die Wahrscheinlichkeit, die Masern zu 
bekommen, das erste Mal sehr groß ist (haben ja doch fast alle diese 
Krankheit gehabt), z. B. 0,9, sie z. B. nur 0,001 dafür beträgt, daß 
man im Laufe absehbarer Zeit zum zweitenmal diese Krankheit 
bekommt. In ganz entgegengesetzter Richtung geht es in anderen 
Fällen, z. B. wenn es sich um Krankheiten, welche zum Wieder- 
kommen ‘neigen, handelt. Aus dem oben ($ 97) betrachteten Beispiel 
über die Schreibfähigkeit der Getrauten ersah man, daß die Wahr- 
scheinlichkeit dafür, daß ein Bräutigam nicht schreiben konnte, 
9,091 war, während sie für die Braut 0,106 betrug. Das Produkt 
dieser beiden Wahrscheinlichkeiten, 0,091-0,106 = 0,010, gibt indes 
nicht die Wahrscheinlichkeit dafür an, daß sowohl Braut wie Bräu- 
tigam nicht zu schreiben vermögen, welche Währscheinlichkeit 0,034 
betrug. In einem solchen Mangel an Übereinstimmung liegt eine 
Aufforderung zur Erforschung der wirkenden Ursachen; in diesem 
Beispiel ist die Erklärung sehr naheliegend: die Ungebildeten suchen 
sich natürlich gegenseitig. 
Analog geht es in allen Fällen; eine nähere Untersuchung nur 
kann bestätigen, ob die betrachteten Ereignisse als gegenseitig un- 
abhängig (unkorreliert) angesehen werden können oder nicht. Und eine 
solche Untersuchung wird nicht weiter geführt werden können als zu 
ainer Entscheidung darüber, ob die Begebenheiten mit ausreichen;- 
der Annäherung als gegenseitig unabhängig betrachtet werden 
können, entsprechend der rein empirischen Untersuchung darüber, ob 
man gewisse Fälle als gleich möglich ansehen darf. Dies gilt in Wirk- 
lichkeit allen Ereignissen, zu guter Letzt auch solchen, von denen man 
im voraus erwartet, daß sie unkorreliert sind, da sich kein Grund
	        
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