gen Tendenzen in der Lohnbewe:
zung weichen von diesen Grund:
sätzen ab und geben sich ohne die
notwendige Rücksicht auf die vor;
handenen Mittel und die Preisge-
staltung der irrigen Auffassung hin,
daß mit der nominellen Erhöhung
des Lohnes auf die Dauer und all-
jemein eine verstärkte Kaufkraft ge-
wonnen, mit anderen Worten also
ein erhöhter Lebensstandard der
Arbeiterschaft erreicht werden
kann. Ein solches Steigen der Geld:
löhne würde keinen realen Vorteil
für die Arbeiterklassen bringen, da
sie entweder alsbald durch Erhös
hung der Warenpreise ausgeglichen
werden oder zu fortschreitenden
Betriebsstillegungen führen müßten.
Wenn bei Fortsetzung der die
Grundprinzipien mißachtenden Ten:
denzen in der Lohnbewegung der
Lohn untragbar wird, so kommt das
Unternehmen naturnotwendig an
den Punkt, wo es im Falle der Un:
nachgiebigkeit der Arbeiterschaft zu
Betriebsstillegungen oder Aussper-
rungen schreiten muß. Die Arbeits:
sinstellung ist aber stets ein beide
Teile schädigendes äußerstes Mittel,
und die wichtigste Aufgabe der Ges
werkschaften wie der Arbeitgeber
verbände sollte darin bestehen, den
Eintritt solcher Ereignisse weitges
hend zu verhindern.
Wir legen diese unsere Auffassung
vom Wesen des Lohnes als eines ob-
jektiv zu begreifenden Produktions:
kostenfaktors auf der Grundlage
der heutigen Wirtschaftsgestaltung
am so ausführlicher dar, als heute
mehr denn je Lohnerhöhungen unter
Berufung auf das Existenzrecht des
Menschen gefordert werden. Der:
artige ethische Forderungen — so
schön auch ihre allgemeine Verwirk-
lichung wäre — können nicht ohne
weiteres in solche des Wirtschafts:
lebens umgewandelt werden. Wir
betonen immer wieder, daß der An:
teil der Arbeit an dem Gesamtwert
der Produktion sich nicht nach
:inem auf Grund von Indexzahlen
ırmittelten Minimum der Unters
ıaltsmittel, sondern nach rein ob:
ektiven wirtschaftlichen Faktoren
yjemessen kann. Nur so erhält der
Arbeiter bei guter Leistung und Ge:
chicklichkeit einen zureichenden
‚ohn, und nur so wird für die Volks:
wirtschaft als Ganzes die Öökono-
nische Verwendung aller Produktiv-
<räfte gesichert.
Wer unter Mißachtung dieser
3rundsätze im Lohn Sondervorteile
verlangt, würde damit gleichzeitig
ür sich in Anspruch nehmen, auf
zosten der Gesamtheit aus der Sub-
tanz der Wirtschaft leben zu
-önnen.,
Für das System der Lohnfest:
jetzungen ergibt sich, daß mit
zleichförmigkeit und Nivellierung
ier Löhne, wie sie unser geltendes
Parif: und Schlichtungs-:
vesen gebracht hat, eine gerechte
‚ösung des Lohnproblems nicht
nöglich ist,
Zur Vermeidung von Mißver-
:tändnissen sei ausdrücklich betont,
laß nicht die Beseitigung des Ta-z
‘ifvertrages schlechthin vers
angt wird. Die Industrie fordert
ıber, daß die Frage, ob Tarifverträge
.bzuschließen sind oder nicht, der
reien Vereinbarung der Beteiligten
iberlassen werden muß, wobei auf
lie großen Verschiedenheiten der
ljewerblichen, betrieblichen und ört-
‘chen Verhältnisse Rücksicht zu
‚ehmen ist. Die deutsche Industrie
ieht in solchen freien Tarifverein-
yarungen einen erfreulichen Beweis
lafür, daß die Organisationen der
Arbeiter und Unternehmer sich
wicht lediglich in Kampfstellung
jegenüberstehen, sondern zu ge:
neinsamem positivem Handeln in
‚ler Interesse befähigt und gewillt
ind. Es muß aber eine wirksame
Gewähr dafür geschaffen werden,
laß bestehende Vereinbarungen
auch wirklich aufrechterhalten wer:
Das System
der Lohnfest-
seizungen.