Full text: Deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik

Höhe des 
Reichsbank- 
diskonts. 
nungen leichter zugänglich als den 
<cleineren und mittleren, die nur mit 
len örtlichen Stellen verkehren 
konnten. Die kurzfristig gegebenen 
Kredite wurden vielfach zu Anlagen 
verwandt, die eigentlich langfristige 
<redite zur Voraussetzung hatten. 
Neben dem Mangel an Kredit be: 
änträchtigt die Höhe der Kre: 
litkosten alle Teile des Erwerbs: 
‚ebens in nachteiliger Weise. Alle 
Stufen der Gütererzeugung und Gü- 
terverteilung werden davon betrof: 
fen. Die Zinshöhe verteuert alle 
Waren und erschwert in einem nach 
unserer Ansicht bisher nicht hin: 
reichend gewürdigten Ausmaß die 
Konkurrenzfähigkeit auf dem inner 
ren, ganz besonders aber auf dem 
äußeren Markt. Die innerdeutschen 
Kreditkosten sind heute weitgehend 
nach dem Reichsbankdiskontsatz 
orientiert. Der Banksatz selbst ist 
aber unter den gegenwärtigen Ver: 
hältnissen nicht geeignet, eine 
Drosselung des Kreditbegehrs und 
sine Abstoßung der Läger durchzuz 
setzen. Diese Wirkungen werden 
durch eine Erhöhung des Banksatzes 
nur in Ländern mit konsolidierter 
Wirtschaft erzwungen. Drosselung 
des Kreditbegehrs und Abstoßung 
der Läger treten nur ein, wenn der 
Erhöhung des Banksatzes eine Pe- 
riode der Kalkulation auf der Grund- 
lageniedrigerer Banksätze vor: 
angegangen ist. Erst dann weichen 
die Kostenanschläge der Unterneh: 
mer von den tatsächlichen Ger 
stehungskosten ab, und man sucht 
den teueren Kredit durch Teilliqui- 
dationen des eigenen Vermögens 
abzulösen. 
Solange an einer Kreditrestriktion 
festgehalten wird, ist die Höhe des 
Reichsbankdiskonts für die Regulie- 
rung der Kreditinanspruchnahme un» 
wesentlich. Soweit durch die Kredit: 
einschränkung eine künstliche Regu- 
lierung der Kreditinanspruchnahme 
stattfindet, entfällt die Bedeutung 
dies natürlichen Mittels der Regulier 
ung. Es kommt noch folgendes hin: 
zu: Auf die Dauer ist die Form der 
Aegulierung der Kreditinanspruchs 
ı1ahme durch eine planmäßige Einz- 
schränkungspolitik nicht möglich. Es 
wird der Zeitpunkt kommen, an 
lem wir zur freien Regelung durch 
len Reichsbankdiskont übergehen 
nüssen. Von verschiedenen Kreisen 
vird jetzt schon dieser Übergang ge: 
ordert. Wir stehen auf dem Stand: 
yunkt, daß das verfrüht wäre. Der 
)bergang zur freien Regelung muß 
ıber vorbereitet werden. Tritt die 
reie Regelung zurzeit eines hohen 
teichsbankdiskonts ein, so kann 
»ne zu starke Kreditinanspruch: 
ı1ahme nur durch eine Erhöhung des 
Diskontsatzes verhindert werden. 
Jas bedeutet, daß der deutsche 
)iskontsatz u. U, ein Vielfaches der 
usländischen Diskontsätze beträgt. 
Der Reichsbankdiskont darf nach 
ınserer Auffassung in dem Zeitpunkt 
les Übergangs zur freien Regelung 
ıur ein mäßiger sein, und es muß be: 
eits eine längere Periode der Mög: 
ichkeit einer Kalkulation auf der 
3asis niedriger Zinssätze vorliegen. 
Der Debetzinssatz der Privat: 
ı7anken liegt gemeinhin 2 Prozent 
iber dem Reichsbanksatz, Die Her- 
ıbsetzung des Reichsbankdiskonts 
vürde automatisch eine Verbilligung 
ies Debetzinssatzes der Banken zur 
‘olge haben. Es unterliegt keinem 
Zweifel und wird auch nicht zu: 
etzt von den Bankinstituten selbst 
ınerkannt, daß ein Mindestsatz von 
3,4 Prozent p. a. für auf einen Mo: 
1at festgegebene vereinbarte Konto: 
correntkredite unerträglich ist. 
Das Zusammenwirken des Mangels 
ın Betriebsmitteln und hohen Uns 
zosten für Leihkapital macht auf die 
dauer die deutsche Produktion kon» 
zurrenzunfähig und verhindert die 
belebung des inneren Marktes. 
Die Bankinstitute leiden ebenso Uebersetzung 
wie die übrigen Teile der Wirtschaft im Bankwesen. 
un
	        
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