zeigt die Neigung, aus Anlaß eines
üder weniger Einzelfälle allgemein
die Industriekartelle zu verurteilen.
Generell läßt sich überhaupt nicht
feststellen, ob die Kartelle gut oder
schlecht sind. Es kommt in jedem
Einzelfall auf die Maßnahmen der
Kartelleitung und die Handhabung
dieser Maßnahmen durch die Kar-
tellmitglieder an. Gesunde Kartelle
werden sich nicht. dazu verleiten
lassen, um vorübergehender Vorteile
willen ihre Stellung zu mißbrauchen.
Im Bewußtsein ihrer Verantwortung
sollen die Kartelle auf diejenigen
Maßnahmen verzichten, die nicht
den Erfordernissen der Gesamtwirt-
schaft und des Gemeinwohls ent-
sprechen. Die Praxis lehrt, daß Kar-
telle mit einer gesunden und verant:
wortlichen Kartelltätigkeit alle Kri:
sen auf die Dauer am besten über-
stehen. Durch ihre Arbeit fördern
sie nicht allein die angeschlossene
Industrie, sondern werden auch von
dem betroffenen Abnehmer weit:
gehend anerkannt.
Die Industriekartelle sind fast
ausnahmslos Kinder der Not. Sie
entstehen, wenn durch Überproduk-
on oder geringe Aufnahmefähig-
keit des Marktes Schwierigkeiten
vorliegen. Ihre Aufgabe ist
es, Erzeugung und Absatz
zu ordnen und zu verhin-
dern, daßdurchSchleuder:
preise Wertenichtnurdem
Verkäufer, sondern auch
der gesamten Wirtschaft
verlorengehen.
Die durch die Kartelle erreichte
Ordnung darf aber nicht in Erstar:
rung und Rückständigkeit ausarten.
Technik und Organisation der In:
dustrie müssen sich dauernd den Er-
fordernissen der Gegenwart an:
passen. Der Versuch, technischen
oder wirtschaftlichen Rückstand
durch Kartellmaßnahmen zuschützen,
muß als ein Mißbrauch des Kartell:
jedankens bezeichnet werden. Ruhe
ınd Sicherheit in der Preis: und
Äarktgestaltung durch die Kartelle
‘ollen wirtschaftliche Kräfte frei:
nachen und auf die Hebung der
’roduktivität lenken.
Es ist ein Trugschluß, anzunehmen,
laß bei einer Auflösung solcher
Sartelle die Preise sich dauernd er:
1äßigen. Gewiß würde zunächst ein
vilder Preiskampf einsetzen, der
‚ber schließlich nach Vernichtung
ron erheblichen Teilen der Pro-
luktionsmittel und nach großer Ars
‚eitslosigkeit zu neuen Zusammen:
chlüssen — wahrscheinlich in
esterer Form als früher — führen
aüßte. | ;
Wollen die Kartelle das volkswirt:
chaftlich gesunde Ziel der Ordnung
n Erzeugung und Absatz erreichen,
:o müssen sie eine vernünftige
”reispolitik betreiben. Jede
ibertriebene Preispolitik wird sich
n erster Linie an den Kartellmit-
jliedern rächen, denn sie führt
"wangsläufig zur Bildung von
\ußenseitern und damit schließlich
1ır Zerstörung des Kartells.
Wenn auch eine Anpassung der
Sartellpreise an die Wirtschaftslage
rforderlich ist, so dürfen die Kars
alle dabei nicht ihre Hauptaufgabe
ergessen, für Stetigkeit in der Preis-
ınd Wirtschaftsgestaltung zu sor-
jen. In ihrer Preispolitik sollen die
Sartelle nicht extreme Fälle berück:
‚ichtigen. Bei der Preisfeststellung
lürfen nicht die Kosten leistungs:
ichwacher Mitglieder oder unwirt:
;chaftlicher Betriebe maßgebend
‚ein.
Grundlage einer gesunden Preis-
olitik sind ferner Festpreise.
Die sogenannten Kon ditionen:
‚artelle erstreben die Herbei-
ührung einer gesunden Ordnung auf
lem Gebiete der Zahlungs: und Ver:
caufsbedingungen. Nur dann, wenn
ler Erzeuger darauf rechnen kann,