ORDINARI-ZEITUNGE
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cationen; von Kirchen- und Bruderschaffts-Andachten
und endlich für die Gelehrten auch von denen aller Orten
neu ausgehenden Bücher etc.“
Wenn auch dieses Blatt bald darauf mit dem Wiener
„Diarium‘‘ verschmolzen wurde, so blieb sein Einfluß auf das
gesamte Zeitungs- und Inseratenwesen ein bleibender.
Die Geschichte des „Wiener Fragmentes‘“ und des im
Verlaufe seiner Tätigkeit von ihm herausgegebenen Intelligenz-
blattes zeigt uns dent ypischen Verlauf der Entwicklung
des Inserates aus dem Bedürfnis, geschäftliche Mitteilungen
von einer bestimmten Stelle aus, einem weiten Interessenten-
kreise schnell und zuverlässig zur Kenntnis zu bringen.
c) Die Entstehung des Zeitungs- und Inseraten-
wesens in den einzelnen Staaten.
Die Entwicklung des Zeitungswesens und speziell des
Inseratenwesens in den wichtigsten Staaten war folgende:
Deutschland.
Eigentliche Anzeigen!) konnten natürlich erst entstehen
als die Zeitungen mehr oder weniger regelmäßig erschienen.
Bevor jedoch einzelne Zeitungen gegründet waren, gab es
in Deutschland sogenannte geschriebene oder fliegende Re-
lationen, welche weniger zur Verbreitung von Nachrichten,
als vielmehr zu geschäftlichen Mitteilungen benutzt wurden.
Diese Blätter wurden seit dem 15. Jahrhundert von den Post-
meistern herausgegeben, welche den öffentlichen Verkehr
regelten.
Die von dem Augsburger Handelshause der Fugger seit
den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts herausgegebenen,
handschriftlichen Ordinari-Zeitungen enthielten auch schon
geschäftliche Mitteilungen, die den Anzeigen ähnelten, aber sie
waren nur für einen engen Kreis bestimmt.
Im Jahre 1565 erschien die erste Ausgabe des jedes Halb-
jahr regelmäßig erscheinenden Messekataloges für Bücher,
1) Siehe T. Kellen, Studien über das Zeitungswesen, Verlag
J. Fr. Meißner, Frankfurt a. M. 1907.