Full text: Grundlagen der Wirtschafts- und Handelspolitik

Außerdem sind wir gestern durch den 
Tod eines Mannes überrascht worden, der 
zwar nicht direkt dem Reichsverbande an: 
sehörte, der uns aber als Leiter und Mit- 
arbeiter des von uns gegründeten und uns 
zugehörigen „Instituts für ausländisches 
Recht“ außerordentlich nahestand. Es ist 
dies Herr Geheimrat Professor Dr. Partsch. 
Die meisten von Ihnen werden ‘diesen 
prachtvollen Menschen als eine ganz her: 
vorragende Persönlichkeit gekannt haben, 
als einen Mann, der die Interessen des 
Deutschen Reiches und unserer Industrie 
gerade während der schweren Zeit der 
Friedensverhandlungen und besonders auch 
nachher in warmherzigster Weise unter 
Opferung seiner eignen persönlichen Bes 
Juemlichkeit vertreten hat, ein Mann, der 
— das werden Sie gleich aus einem Nach- 
ruf hören, den Herr Professor Flechtheim 
so freundlich gewesen ist, zu übernehmen -— 
als Wissenschaftler ganz wunersetzlich ist, 
da er eine Stellung in seinem Fach und in 
der Weltwissenschaft eingenommen hat, wie 
kein anderer. Das letztere ist mir gestern 
auch im Kultusministerium bestätigt worden, 
und dasselbe habe ich heute morgen auch 
noch von seinen Spezialkollegen gehört. 
Wir bedauern den Verlust dieser beiden 
Männer auf das schmerzlichste, und ich bitte 
Sie, sich zur Ehrung der beiden von uns 
Geschiedenen von Ihren Plätzen zu erheben! 
(Geschieht). Ich danke Ihnen, meine Herren! 
ich darf nun Herrn Professor Flecht: 
heim freundlichst bitten, das Wort zu 
nehmen. 
Herr Prof. Dr. Flechtheim: 
Meine sehr verehrten Herren! Ich 
3laube, es geziemt sich, daß auch in diesem 
Kreise einige Worte dem Andenken an 
Joseph Partsch gewidmet werden. Wenn er 
uns auch nicht unmittelbar angehörte, so 
sind doch die Spuren seiner Tätigkeit bei 
uns besonders deutlich und wichtig gewesen. 
Er ist in der Blüte seiner Jahre, im 
12. Jahre, plötzlich auf der Erholungsreise 
in Genf dahingerafft worden, ein Mann, 
dessen Wirksamkeit in Vergangenheit und 
Gegenwart groß war, von dem wir uns aber 
vor allem für die Zukunft unsagbar viel noch 
versprechen konnten und mußten. 
Die Natur hatte ihn mit Gaben des Gei: 
stes und Gaben des Charakters in fast ver- 
schwenderischer Weise ausgestattet. Man 
kann sagen, daß in dieser Zeit, in der wir 
ja nicht an einem Übermaß an großen Per: 
‚önlichkeiten, besonders in Deutschland lei: 
len, er wirklich zu den seltenen, ganz 
säigenartig geprägten Menschen gehört. Es 
;ntsprach seinem stark eruptiven Tempera: 
nent, daß er die Schätze seines Geistes 
ıicht in sich verschloß; und so. ist er in 
zjanz seltener Weise ein Mittler von geistigen 
Zütern geworden, ein Mann, der es verstan- 
jen hat, auf allen erdenklichen Gebieten 
3rücken zu schlagen zwischen sonst fernen 
JHern. 
Als Jurist in seiner Eigenart, man kann 
vohl sagen, ein Phänomen, war er auf der an- 
jeren Seite ein ungewöhnlich begabter 
°hilologe, Sprachenkenner. Es wird Ihnen, 
;hne daß ich auf seine wissenschaftliche 
Pätigkeit hier des näheren einzugehen habe, 
:chon genügen, wenn ich Ihnen mitteile, daß 
'ereits seine Arbeiten, die er als Student auf 
lem Gebiete des altgriechischen und alt- 
igyptischen Rechts, und zwar auf Grund 
igener Papyrusforschungen, leistete, so be- 
jeutend waren und ein solches Aufsehen er- 
egten, daß er unmittelbar nach seinem 
;rsten Examen, ohne sich habilitiert zu haben, 
ıinen Ruf nach Genf bekam, den er auch an: 
ı1ahm, so daß er hier auch zwischen zwei 
Kulturen vermitteln konnte. Er hat dann 
>»ben diese doppelte Begabung des Juristen 
ınd des Sprachkenners schon damals nach 
ler mannigfachsten Seite hin auszubauen und 
zu vertiefen verstanden. 
Er hat dann in der Folge Professuren in 
Göttingen, Freiburg, Bonn und zuletzt in 
Berlin bekleidet. Was er in all diesen Jahren 
;einer Wissenschaft geleistet hat, was er vor 
ıllem als anregender Lehrer seinen von ihm 
ıuf das höchste begeisterten Schülern ge: 
wesen ist, was er als Kollege den Kollegen, 
ıls Freund den Freunden, vor allem aber als 
Mensch jedem Menschen, der mit ihm in 
3Zerührung kam, wurde, das hier auseinander: 
zusetzen und zu belegen, würde zu weit füh- 
en. - Ich glaube deswegen hier mich mehr 
»erufen, mit einigen Worten auf den Sektor 
jeiner Tätigkeit eingehen zu sollen, der für 
ılle und speziell für uns hier von größtem 
Interesse ist und auch sein und bleiben muß. 
Als der Friedensvertrag die Einsetzung 
jer bekannten gemischten Schiedsgerichte 
vorsah und diese in Tätigkeit traten, haben 
ınsere Gegner geglaubt, hierin ein neues 
Mittel sich geschaffen zu haben, um uns eine 
weitere Kriegsentschädigung unter dem 
Deckmantel des Rechtes auferlegen zu 
<önnen, wobei sie, wie die Erfahrung ge: 
zeigt hat, leider nicht mit Unrecht, wenn 
auch nicht ausnahmslos, so doch in weitge:
	        
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