Full text : Grundlagen der Wirtschafts- und Handelspolitik

322  Die  katholischen  und  verwandten  Schulen  in  der  Gegenwart

entweder  dem  einen  der  beiden  Flügel  grundsätzlich  nahe  stehen,
aber  stets  zu  vermitteln  bestrebt  sind,  oder  die,  auf  dem  Boden
der  bestehenden  individualistischen  Gesellschaftsordnung  fußend,
ein  größeres  oder  geringeres  Ausmaß  sozialpolitischer,  gesetzlicher ­
  wie  der  Privatinitiative  entspringender  Veranstaltungen
verlangen.  Diese  Elemente,  die  aus  den  verschiedensten  Milieus
stammen,  stehen  samt  und  sonders  der  historisch-ethischen
Nationalökonomie  der  juristischen  Fakultäten  nahe  und  rekrutieren ­
  sich  sogar  zum  Teil  direkt  aus  deren  Lehrkräften.  Wir
werden  sie  als  sozialkatholisches  Zentrum  ansprechen.
Der  Abstand  zwischen  dem  rechten  und  dem  linken  Flügel
der  Schule  war  in  den  Jahren  1898—1899  am  größten.  Die
damalige  Lage  charakterisiert  de  la  Tour  du  Pin  vortrefflich
wie  folgt:  „Der  ganze  Aufbau  der  Oeuvre  des  Cercles,  deren
Grundlagen,  deren  allgemeine  Richtung  und  deren  berufene
Kommentare  beruhen  auf  einer  hierarchischen  Auffassung  der
Gesellschaft  .  .  .  .,  während  die  demokratische  Gesellschaft  im
Gegenteil,  so  wie  sie  aus  der  Revolution  hervorging,  wesentlich
individualistisch  ist  ...  .  Die  Demokratie  baut  sich  auf  der
bürgerlichen  Gleichheit  auf.  Dieses  antisoziale  System  legt  die
öffentliche  Gewalt  in  die  Hände  des  am  wenigsten  aufgeklärten
Teiles  der  Nation,  weil  er  der  zahlreichste  ist;  und  das  im
Namen  einer  behaupteten  Gleichheit  der  Individuen,  welche  den
Triumph  des  Individualismus  auf  die  Negation  der  Individualität
aufbaut.  Die  Gründer  der  Oeuvre  des  Cercles  zielen  darauf
hin,  an  die  Stelle  der  formlosen  demokratischen  Gesellschaft,
die  auf  dem  Individualismus  fußt,  eine  Gesellschaft  zu  setzen,
welche  gemäß  ihrer  Auffassung  von  der  Pflicht  in  einer  sozialen
Hierarchie  organisiert  sei.  Deshalb  ist  es  nicht  möglich,  eine  Brücke
zu  schlagen  einerseits  zwischen  ihrer  Auffassung,  ihrem  Programm
und  ihren  Zielen,  und  andererseits  einer  sozialen  Ordnung,  die
ihnen  schlecht,  ungerecht,  in  jeder  Beziehung  mißraten  und
verfehlt  erscheint.  Darum  hört  die  Oeuvre  des  Cercles  dort
auf,  wo  die  Tätigkeit  der  christlichen  Demokratie  einsetzt  ;  deshalb ­
  gibt  es  keinen  Anschluß  in  den  Methoden  und  keine
Ähnlichkeit  in  dem  Geiste,  welche  jede  dieser  beiden  Richtungen
kennzeichnen;  in  einem  Worte:  keine  Kontinuität  ....  (Die
christlichen  Demokraten)  konnten  sich  durch  die  Umstände  für
berechtigt  halten,  sich  zur  Verteidigung  der  religiösen  Inter-
            
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