Full text: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

Wenn wir überraschend schnell uns in die Lage gesetzt sehen, eine 
wenn auch noch immer rätselvolle, so doch endgültige Lösung zu 
geben, so verdanken wir dies der Freundlichkeit von Lists ältestem 
Enkel, Herrn Friedrich Pacher von Theinburg, der mit Ausnahme von 
drei Briefen, die er nach seiner Angabe „als zur Gebrauchnahme nicht 
geeignet“ ausschied, sämtliche in seinem Besitz befindlichen Briefe 
Lists an seine Familie uns zur Veröffentlichung zur Verfügung ge- 
stellt hat. Schon die erste Durchsicht ergab, daß dieses Material alle 
Zweifel an der Existenz auch der zweiten Preisschrift beseitigt; denn 
es fand sich der von Häusser auszugsweise gebrachte Brief vom ı. 
Januar 1 838, und es stellte sich wider alles Erwarten heraüs, daß 
Häussers Auszug gerade die für uns wichtigsten Stellen unterdrückt 
hat. Wir lassen aus diesem Brief hier die auf die Arbeiten bezüglichen 
Absätze® in vollem Umfang folgen und heben die von Häusser ge- 
strichenen bzw. geänderten Worte und Sätze durch Sperrdruck her- 
vor: 
„Wir haben hier die NeujahrsNacht flott gefeyert; wir sind erst 
diesen Morgen um 4. Uhr zu Bette gekommen. Ich bin nämlich 
mit meiner Arbeit fertig — zwey Preisfragen liegen 
beantwortet da, u. was noch mehr ist, zu meiner 
völligen Zufriedenheit% Von dieser Arbeit kannst Du 
Dir einen Begriff machen, wenn ich Dir sage, daß sie zwey leid- 
lich dike, gedrukte Bände füllen wird. Alles dieß ward in 6. 
Wochen geschrieben, übersetzt u. mit Noten versehen. Ich 
hatte dazu über 30. Bände Bücher zu lesen. Von 
Morgens ı oder 2. Uhr arbeitet ich bis 10. Uhr — dann gings auf 
die Bibliothek bis 3. Uhr, dann wieder zur Arbeit bis 51%. Uhr — 
dann zu Tisch u. um 7. oder 8. Uhr zu Bett. In meinem Leben 
ging mir die Arbeit nie besser von Statten, u. nie war ich ge- 
sünder, In der letzten Zeit bin ich sogar häufig nicht zu Bette ge- 
kommen u. habe nur einige Stunden geschlafen. Ich habe gute 
Hoffnung zwey Preise oder5 wenigstens Einen zu be- 
kommen. In diesem Fall könnte ich den Geldge- 
winn, mit Inbegriff dessen was die Bücher beim 
Buchhändler werth sind, auf 10.000 Franken 
anschlagen; ja wenn sie unter den Fabrikanten 
populär werden sollten, was sehr wahrscheinlich 
ist, auf das dreyu. vierfache — im Fallsiemehre 
Auflagen erleben sollten”. Inzwischen kann ich mich 
in meinen Hoffnungen täuschen zumal da die Arbeit sehr schnell 
gefertigt werden mußte. Es ist auch (sehr)® möglich, daß die- 
jenigen, welche die Preise zuerkennen, (der Name wirderst 
bekannt nach der Zuerkennung des Preises)5 mir 
den Preis versagen, ungeachtet meine Abhandlungen die besten 
sind. Ich habe nämlich ein neues System u. meine Richter sind 
noch alten Glaubens. Jedenfalls aber sind meine Abhandlungen 
so. daß ich sie druken lassen werde, u. daß ich mir davon den-
	        
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