Full text: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

die ersten Fortschritte in der Agrikultur werden am besten durch 
freien Handel mit zivilisierten, d. h. mit Manufaktur- und Handels- 
nationen bewirkt“. Für die systematische Lehre, so wäre zu inter- 
pretieren, bilden die drei ersten Stufen dieses Schemas eine einzige 
Einheit, da sie bezüglich des „internationalen Handels und der Han- 
delspolitik‘“, wie das Thema des Nationalen Systems lautet, keiner 
differenzierten Behandlung unterliegen. 
Eine andere Stelle des Nationalen Systems bringt bei Erörterung 
der Theorie der materiellen Kapitale und ihrer Vermehrung in den 
verschiedenen Wirtschaftsstufen zwei von den früheren abweichende 
Schemata, die uns einiges über den Wert der ersten wie auch der 
letzten Stufe der erstgenannten Ordnung lehren. List unterscheidet 
hier ı. roher Zustand, 2. Zustand des Jägers und Fischers, 3, Hirten- 
stand, 4. Agrikulturvolk, 5. Stufe der „vollständigen Manufaktur- 
kraft“. Und in der Zusammenfassung‘ der Kapitaltheorie werden ge- 
nannt®?:; ı, Jägerstand, 2. Hirtenstand, 3. Agrikulturstand, 4. Manu- 
fakturstand, Dabei werden für die Systematik der Kapitalvermehrung 
im ersten Falle die beiden ersten Stufen als Einheit zusammengefaßt, 
und erst der Hirtenstand stellt eine eigene Stufe der Kapitalbildung 
dar; in der zweiten Erwähnung beginnt Lists theoretischer Ansatz erst 
bei dem Übergang vom Jäger- zum Hirtenstand, also effektiv mit der 
dritten Stufe, . 
In beiden Anordnungen endlich fehlt die fünfte Stufe des früheren 
Schemas, der Agrikultur-Manufaktur-Handelsstand. Lists Lehre hat 
für diese Stufe keine von der vollentwickelten Manufaktur gesonder- 
ten Prinzipien, Aber gerade an der angeblichen Setzung Lists, daß 
der Handel sich erst nach dem Aufblühen der Manufakturen ent- 
wickele, hat Hildebrand seine anscheinend exakt geführte Kritik an- 
gesetzt°8, Ob dies wirklich Lists Ansicht ist, ist zumindest sehr frag- 
lich; einige Äußerungen gehen in dieser Richtung, die wir später er- 
wähnen werden, denen aber viele andere Aussagen gegenüberstehen. 
Im ganzen ist zu sagen, was weiterhin noch klarer werden wird, daß 
„das“ Stufenschema, welches im Nationalen System zweimal wieder- 
holt wird, überschätzt worden ist. List hat sich niemals starr daran 
gebunden und es, wie zu zeigen sein wird, den geschichtlichen Er- 
örterungen nicht zugrunde gelegt. List hat kein „Lehrbuch“ geschrie- 
ben, dessen durchgehende Ansicht aus einer einzigen Formulierung 
abgelesen werden könnte. 
Ein recht auffälliger Umstand hätte Hildebrand immerhin stutzig 
machen sollen, nämlich daß die an die zweite Erwähnung des von ihm 
herausgegriffenen Schemas anschließende Illustrierung der Stufen 
durch die Industriegeschichte Englands bereits eine so weitgehende 
Abweichung aufweist, daß es unerlaubt erscheinen mußte, eine prin- 
zipiell gemeinte Widerlegung Lists auf jene abstrakte Aufzählung 
allein zu stützen, ohne die direkt folgenden Sätze auch nur zu be- 
achten. 
Denn gerade auf die Industriegeschichte Englands weisend, unter- 
scheidet List, indem er ausdrücklich einen Beleg (I) für das Schema 
geben will, in der Entwicklung Englands folgende Stufen: ı. roher 
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