Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

Zustand, 2. Viehzucht, 3. Agrikultur bis zu den ersten Anfängen ın
den Manufakturen und in der Schiffahrt (D, 4. vollständige Manufakturkraft,
 Schiffahrt und Handel5%, So und nicht anders interpretiert
 List selbst jenes Schema, welches nur eine für den Verstand
befriedigende aufgeraffte Zusammenstellung ist, an die sich weder
der Systematiker noch der in die Geschichte blickende List selbst
bindet.
Gewiß ist es Lists Lehre, daß „der Handel‘, sofern er dauernden
Bestand und kontinuierliche Entwicklung® haben soll, auf einer einheimischen
 Manufakturkraft beruhen muß; aber auch hier ist hinter
die Worte auf das von ihm Gemeinte verstehend zu rekurrieren. So
stellt List dem hanseatischen, nicht national gegründeten Handel die
englische Entwicklung gegenüber%1 und sagt im Sinne der Kritiker:
„Alle diese Fehler wurden in England vermieden. Dort hatten Schifffahrt
 und auswärtiger Handel die innere Agrikultur und Industrie zur
soliden Basis... .‘“ Daß aber dabei List nicht unbedingt an eine zeitliche
Aufeinanderfolge dachte, sondern die Entwicklung des Handels durchaus
 auch in der frühesten Stufe sah, zeigt der Satz%2: „Allerdings ist
das Agrikulturland selten ganz ohne auswärtigen Handel, und der auswärtige
 Handel, soweit er geht, ersetzt auch die Stelle der inneren
Manufakturen in Beziehung auf die Kapitalvermehrung ; . .“
Und wie die spätere Entwicklung des Handels zu interpretieren
sei, lehrt das ganze 22. Kapitel, das die Beziehung von Manufaktur zu
Schiffahrt, Seemacht und Kolonisation zum Thema hat. Dort wird der
früheste Orienthandel mit dem gegenwärtigen Welthandel verglichen,
und soweit List die Ausbildung des Handels nach der der Manufakturen
 ansetzt, hat diese Behauptung den primitiven unbestreitbaren
Sinn, daß konkret gesprochen erst das England der Gegenwart durch
die Massenfabrikation von Industriewaren eben erst jene quantitative
 Ausdehnung des Austausches von Fabrikaten gegen Rohstoffe
und Kolonialwaren ermöglicht. „Bei weitem der größte Teil dieser
Produkte (Kolonialeinfuhr) wird mit Manufakturwaren bezahlt‘“6® —
das ist ein Hauptsatz der Lehre Lists. Vor der Entdeckung Amerikas
und des Kapweges war dieser Handel unbedeutend: „Was man daher
auch von der Wichtigkeit des orientalischen Handels in jenen Zeiten
lesen mag, immer ist derselbe nur relativ zu verstehen: er war nur
wichtig für jene Zeit, aber unbedeutend im Vergleich mit. dem, was
er jetzt istö*,” Dieser internationale Handel wuchs, als Europa mit
Gold die orientalischen Manufakturen kaufte. „Zu seiner jetzigen Bedeutendheit“
 gelangte er erst durch die europäische Kolonisation in
Amerika und durch Schaffung von Rohstoffgebieten im Orient. Und
in dem banalen Sinn, daß der gegenwärtige Umfang des internationalen
 Austausches erst durch die neuzeitliche Manufakturentwicklung
entstanden sei, ist Lists öftere nicht prinzipielle Ansetzung einer Aufeinanderfolge
 von Manufakturen und Handel demnach zu verstehen®5,
Will man Lists Ansicht zu diesem Thema wirklich ergründen, so
wären auch alle Erörterungen über die Wirkung der Navigationsakte
in England und anderen Ländern heranzuziehen; sie ergäben ein Bild,
das vor der Kritik der historischen Schule im wesentlichen standhielte.

A3
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.