List hat einmal Englands Entwicklung in dieser Richtung prinzipiell
zusammengefaßt®6: „So hat England durch seine Politik seine See-
macht vergrößert und vermittelst seiner Seemacht seine Manufaktur-
und ’Handelskräfte vermehrt, und aus der Vermehrung der letzteren
sind ihm wieder neue Vergrößerungen seiner Seemacht und seines Ko-
lonialbesitzes erwachsen.‘ Durch solche Sätze wäre Hildebrands Ur-
teil, daß Lists Stufenlehre „aller Geschichte widerspräche‘‘, einzu-
schränken. Wir haben damit an diesem Punkte einen Anwendungsfall
der Stufenlehre vorweggenommen. Er zeigt, in welcher Richtung jene
rationale Ordnung zu interpretieren ist, und wie wenig das Schema:
Wilde usw. Lists Ansicht wirklich wiedergibt.
Unser Ziel, dem wir uns im F olgenden allmählich annähern, ist, zu
erweisen, wie das eben gegebene Beispiel schon zeigt, daß diese
Stufenlehre keineswegs ein Abbild der historischen Anschauung
Lists wiedergibt, sondern daß der Sinn der Stufenlehre ein politi-
scher und systematischer ist. Um dies zur Evidenz zu bringen,
muß man jene völlig anders geartete Stufenschemata im Nationalen
System und der Preisschrift hinzunehmen, welche in der Tat mit Lists
Gesamtlehre übereinstimmen, ja das ökonomische System direkt in
sich schließen. Nur der erstaunliche Mangel des Interesses an Lists
historischer Systematik in der folgenden Generation hat den Tat-
bestand im Dunkeln ruhen lassen.
4. Der einfache Wortlaut des folgenden vier teiligen Schemas zeigt,
wie diese Stufenlehre in der Tat das ganze Thema der ökonomischen
Lehre Lists material umfaßt®7, und in genialer Anordnung und Klar-
heit das dynamische Entwicklungssystem der politischen und natio-
nalen Ökonomie umfaßt: „In der nationalökonomischen Entwicklung
der Nationen, vermittelst des internationalen Handels, sind demnach
vier verschiedene Perioden erkennbar: in der ersten wird die in-
nere Agrikultur durch die Einfuhr fremder Manufakturwaren und
durch die Ausfuhr einheimischer Agrikulturprodukte und Rohstoffe
gehoben; in der zweiten erheben sich die inneren Manufakturen
neben der Einfuhr auswärtiger Manufakturwaren, in der dritten
versorgen die inländischen Manufakturen den inländischen Markt zum
größten Teil; in der vierten werden große Quantitäten inländischer
Manufakturwaren exportiert und fremde Rohstoffe und Agrikultur-
produkte importiert.“ Wir gehen auf die Bedeutung dieser Entwick-
lungslehre erst im folgenden Abschnitte ein; sie erweist sich als das
dauernde Rückgrat der Listschen Lehre auch in den Outlines und im
Nationalen System. Sie ist die am frühesten ausgebildete Stufenlehre,
zugleich ist sie die einzige Ordnung, die eine zusammenhängende
allseitige Durchführung erfahren hat. Dies ist in der Preisschrift ge-
schehen, und deshalb gehört eine Erörterung der Stufentheorie als
Hauptstück in eine Darlegung der Bedeutung des Pariser Systems.
Wir sahen, wie Teile des zuerst genannten fünfstufigen Schemas in
der Preisschrift als ein offenbar übernommenes Rudiment auftreten,
und wie andererseits dessen wirkliche Bedeutung im Nationalen Sy-
stem sich in der Hauptsache gleichfalls auf die Entwicklung der Agri-
kultur und der Manufaktur einschränkt, indem die erste und die
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