Sachverständiger Wenzel: Heute sind es 45 °%.
Sachverständiger Benjamin: Dann kommen die bekannten
anderen. Gebiete hinzu. Da nimmt jetzt Nordafrika einen sehr bedeutenden
Platz ein, und. zwar sowohl Französisch- als auch Spanisch-Nordafrika.
Die nordafrikanischen Gruben werden in absehbarer Zeit eine
Förderung von ungefähr 2 Millionen Tonnen erreicht haben. Ich glaube
nicht, daß davon normalerweise mehr als */3 Million Tonnen zur Heimat
gehen werden, so daß .etwa 1'/2 Millionen Tonnen nach Deutschland
gehen werden. Das südrussische Erz kommt in absehbarer Zeit für
Deutschland nicht in Frage, weil es nicht billig genug geliefert werden
kann. Es kommt nach Oberschlesien und der Tschechoslowakei, weil es
da eine sehr lange Strecke, ungefähr 600 km, auf russischen Bahnen
gefahren werden kann.
Dort bestand schon vor dem Kriege ein besonders niedriger Staffeltarif,
der noch billiger war als unser billigster Erztarif in Deutschland.
Die Russen, die uns das Erz frei Eisenbahnwagen an die russischpolnische
Grenze verkaufen, verkaufen es uns in Pfunden, und von dem
Erzpreis entfällt ungefähr die Hälfte, also etwa 10 sh auf ihre
eigene Eisenbahnfracht. Aber die eigenen Kosten der Russen ab Grube
sind doch 80 hoch, daß wir beispielsweise augenblicklich mit dem Eisenarz
nicht über Nikolajew nach Rheinland-Westfalen kommen können,
abwohl die Fracht von Nikolajew nach Rotterdam außerordentlich
billig ist. Die Russen kommen also nicht an Deutschland heran, abzesehen
von westoberschlesischen Werken, die auch in diesem Jahre
etwa 150 000 Tonnen russische Erze bezogen haben.
Die spanischen Erze sind durch die nordafrikanischen Erze mehr
und mehr verdrängt worden, Einmal sind die Vorkommen in Nordafrika
sehr viel umfangreicher, also viel billiger in den Gestehungskosten, und
dann haben die Nordafrikaner, weil es neue‘ Gruben sind, von vornherein
so großzügige Verladeeinrichtungen in ihren Verschiffungshäfen
zeschaffen, daß ein Dampfer von 5000 Tonnen innerhalb 24 Stunden
beladen ist. Das läßt sich in den spanischen Häfen, die Deutschland
früher sehr stark beliefert haben, einfach nicht erreichen, so daß heute
die Fracht von Nordspanien nach Rotterdam höher ist als von Nordafrika.
Außerdem. sind die spanischen. Erzvorkommen naturgemäß
allmählich‘ sehr zurückgegangen. Beispielsweise ist Santander, das
früher einen recht erheblichen Anteil an den spanischen Erzverschickungen
hatte, auf ein kaum noch erwähnenswertes Minimum zurückgegangen.
Dann gibt es in Südspanien noch einige Gruben, die aber
nicht sehr vorteilhaft arbeiten und es infolgedessen in der Konkurrenz
sehr schwer haben. Im letzten Jahre hat sich außerdem zuungunsten der
spanischen Erze noch die Steigerung der spanischen Währung ausgewirkt
während in Französisch-Marokko der billigere Franken war.
Sachverständiger Wenzel: Vielleicht interessiert hier, wie sich
die Erzdeckung in Rheinland-Westfalen abspielt. Ich habe hier die
Zahlen von den Vereinigten Stahlwerken für das Jahr 1927. Man
braucht diese Zahlen nur zu verdoppeln, um die Ziffern für ganz Rhein-TC