Die Abbrände werden fast nur von Erzhandelsfirmen besorgt,
ebenso die Phosphate, Konzentrate usw. Also im wesentlichen geht
alles durch den Erzhandel, mit Ausnahme der langfristigen Abschlüsse
mit der schwedischen Grubengesellschaft.
Vorsitzender: Das Erz wird gehandelt nach einer chemischen
Analyse?
Sachverständiger Wenzel: Ja, immer auf einer ganz bestimmten
Basis und Skala. Auf der Basis von 50 °% Eisen und 12 °%/ Kieselsäure
kostet das Erz z. B. 20sh plus oder minus 6 oder 5 d, was vereinbart
wird je Prozent Eisen mehr oder weniger, plus oder minus 1*/,
oder 2 d je Prozent Kieselsäure. Sind die Erze phosphorhaltig,
lann ist auch eine Basis für Phosphor da. Es werden Bestimmungen
zetroffen über die Maximalgehalte an schädlichen Bestandteilen. Normalerweise
wird das Erz auf der Hütte gewogen. Wenn es dann in
Waggons oder im Kahn ankommt, wird die Probe von jeder der Parjeijen
analysiert. Weichen die Resultate über ein gewisses Maß hinaus
voneinander ab, so wird eine dritte Probe dem Schiedschemiker zur
Analyse übergeben.
Sachverständiger Benjamin: Das Gebiet, auf dem sich der Erzhandel
betätigen kann, ist sehr erheblich dadurch verengt worden, daß
3ich diese großen Grubengesellschaften gebildet haben, die heute einen
antsprechend großen Anteil an der deutschen Erzeugung haben. Dann
sucht sich der Erzhandel auch dadurch selbständig zu betätigen, daß
er für eigene Rechnung kauft. Beispeilsweise geht unser großer Russenvertrag
absolut unter eigenem Risiko. Wir haben von den Russen verschiedene
hunderttausend Tonnen Eisenerze und Manganerze zu festen
Preisen gekauft, haben das Frachtrisiko auf uns genommen und versucht,
das beste daraus zu machen.
In Deutschland findet ein ziemlich umfangreicher Schwefelkiesverkauf
statt, der heute etwa 1 Million Tonnen beträgt. Davon entfällt
reichlich die Hälfte allein auf die I. G.-Farbenindustrie. Nachdem der
Schwefelkies abgeröstet ist, liefert er den Abbrand, d. h. ein etwas verunreinigtes
Eisenerz, das aber durch chemische Verfahren so gereinigt
werden kann, daß es dann auch wieder ein hochwertiges Erz darstellt.
Das geschieht auf der Kupferhütte in Duisburg, die einen Teil ihrer
Produktion für den eigenen Verbrauch benutzt. Sie macht das Sogenannte
Duisburger Tempereisen. Einen wesentlichen Teil aber — es
sind heute schon etwa 250 000 Tonnen — liefert sie in der Form von
n feste Form gebrachten Abbränden an die rheinisch-westfälischen
erke.
Im allgemeinen darf wohl gesagt werden, daß der Erzhandel in
Deutschland nicht eine Stellung einnimmt, die ihm die Möglichkeit
bieten könnte, Einfluß auf den Erzpreis zu nehmen oder durch einen
hohen Zwischennutzen das Erz zu verteuern, weil sich eben der Einkauf
der weitaus größten Mengen unmittelbar zwischen den großen Gruben
ınd den Werken abspielt.
Sachverständiger Bicker: Nur die kleineren Gruben sind dem
Erzhandel zugänglich, weil alle großen Gruben ihre eigenen Vertreter
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