Maßnahmen der eisenerzeugenden. Industrie, dabei kann aber nicht an-
genommen werden, daß sie anderes als eine erwünschte Ergänzung des
eigenen Ankaufs der Werke darstellt.
Die Einwirkungsmöglichkeit der deutschen eisenerzeugenden
Industrie bei diesem Teil ihrer Rohstoffversorgung ist, wie bereits aus-
geführt wurde, gering. Eine wesentliche Änderung der deutschen Lage
wird zur Zeit auch nicht durch den Besitz der deutschen Eisenindustrie
in überseeischen Erzgebieten erzielt, die in den wesentlichen Teilen noch
unaufgeschlossen sind. Eine Einwirkung dieses Besitzes wird erst zu
einem späteren Zeitpunkt zu erwarten sein, so daß heute ein Urteil dazu
noch nicht abgegeben werden kann. Im Gegensatz dazu gründen sich die
Hüttenwerke der französischen Eisenerzeugung, insbesondere in Loth-
ringen und Nordfrankreich, wie die luxemburgischen und ein Teil der
belgischen Werke auf eigene Erzgruben mit einer Förderung, die trotz
des verhältnismäßig geringen Gehalts für die Tonne metallischen Eisens
mit relativ geringen Förderkosten und keinen oder ganz geringen Fracht-
kosten belastet ist. Teilweise scheinen die niedrigen Kosten Nach-
wirkungen der Währungsentwicklung in den letzten Jahren zu sein, es
wurde aber auch von den Sachverständigen auf die allgemein günstigen
Förderbedingungen dieser Gruben hingewiesen. Jedenfalls genießen
zur Zeit die dortigen Werke aus dem Besitz der Gruben eine Differential-
rente, die zu einem beträchtlichen Teile die ausschlaggebende Stellung
erklärt, die das französische, luxemburgische und belgische Eisen am
Weltmarkt erlangt hat‘). Um eine unrichtige Beurteilung der deutschen
Lage, insbesondere eine Überschätzung der Abhängigkeit beim Bezug
der Erze zu vermeiden, scheint es erforderlich zu betonen, daß selbst-
verständlich einem Käufer von dem Ausmaß der deutschen eisen-
erzeugenden Industrie eine derartige Bedeutung zukommt, daß seine
Nachfrage von den Erzlieferanten nicht entbehrt werden kann. Die
Stellung, die Deutschland als Erzbezieher hat, wird am besten durch
seinen Anteil am schwedischen Erzexport gekennzeichnet. Von der
Gesamterzausfuhr Schwedens im Jahre 1926 im Umfang von 7681 000 t
übernahm Deutschland mit 6289000 t rund 82 °%. Für diese Stellung
als ein entscheidender Käufer gewinnt zugleich die Reserve Geltung, die
in der deutschen Erzförderung liegt, wenn auch diese Erzförderung
nicht die Grundmenge, sondern nur eine Ergänzung der deutschen Be-
darfsdeckung darstellen kann.
Die in. Deutschland vorhandenen Eisenerzvorräte sind, verglichen
mit denen anderer Länder, gering, die industrielle Verwertbarkeit der
Erze ist beschränkt. Neben der mineralogischen Zusammensetzung be-
einflussen die Kosten der Gewinnung und des Transportes zur Ver-
brauchsetelle die Verwertbarkeit. Wirklich reiche Eisenerze mit einem
Anteil von mehr als 55 % Gehalt an metallischem Eisen, wie sie z. B.
in Amerika als allein abbauwürdig betrachtet werden, gibt es überhaupt
nicht, und auch sogenannte mittlere Erze mit zwischen 40 bis 45%,
Fe-Gehalt sind nur in gerinzem Umfange vorhanden.
') Im einzelnen wird auf diese Verhältnisse in dem Bericht über die Pro-
duktionsbedingungen der deutschen Eisenindustrie eingegangen werden.