Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Gerade in Zeiten besonders intensiver Rationalisierung, 
wie der Gegenwart und der Zukunft, ist die Lebensdauer von Maschinen, 
überhaupt die Lebensdauer der gesamten technischen Ausrüstung der 
Produktion einschließlich Hallen, Fördermittel usw. kurz. Dies 
zeigen auch die Abschreibungssätze der Bilanzen. Es kommt vor, daß 
lie Abschreibung der Neuanlagen auf wenige Jahre verteilt werden muß. 
Fabriken in Amerika, die nach der Ford-Methode arbeiten, haben eine 
vesonders große Abschreibungsquote. Eine verhältnismäßig geringe 
Änderung im Produktionsgang läßt unter Umständen einen außerordent- 
lich großen Teil des bisher verwandten Maschinenparkes „veralten“. 
Die Standardisierung eines Maschinentyps ist nach Ansicht des 
Unterzeichneten nicht, wie in Gutachten 2 der Eisenindustrie vermutet 
wird*), ein Hinderungsgrund für eine Überholung dieses Typs durch 
einen anderen. Es ist zwar in der Eisenindustrie möglich, nur 
die genormten Typen zu produzieren, da hier alle Produzenten straffen 
Kartellen angehören. Nicht aber kann in der eisenverarbeiten- 
len Industrie verhindert werden, daß fortgesetzt neue Kon- 
3atruktionen die alten verdrängen. Im Gegensatz zu dem Gut- 
achten 2 der Eisenindustrie ist der Unterzeichnete der Auffassung, daß 
ler verschärfte Konkurrenzkampf im Inland und auf dem Weltmarkt 
Sowie die rapide Entwicklung der Technik gerade in der weiteren Zu- 
kunft alle Unternehmer, die konkurrenzfähig bleiben wollen, zu noch 
weit schnellerer, häufigerer Erneuerung ihres Maschinenparkes zwingt 
als in der Vergangenheit. In Übereinstimmung hiermit führte der Ge- 
schäftsführer des amerikanischen Werkzeugmaschinen-Verbandes, Du 
Brul, kürzlich”) aus, daß die Verbraucher dieser Maschinen vielfach 
Wert darauf legten, sie schon in weniger als einem Jahre voll amorti- 
sieren zu können! Manche Verbraucher weigern sich, Maschinen zu 
kaufen, deren Preis keine so rasche Amortisation erlaubt. 
Fast alle Konsumartikel aus Eisen haben eine besonders kurze 
Lebensdauer, da es sich meist um Kleineisenzeug handelt, das im Ver- 
hältnis zur Masse große Oberfläche besitzt und entsprechend stark der 
Abnutzung ausgesetzt ist. 
Nach den bisherigen Darlegungen ergibt sich: Der größere Teil 
der Eiseninvestitionen hat von sich aus eine kurze Lebensdauer (unter 
25 Jahren). 
‚Offensichtlich ist aber infolge Krieg, Inflation, Stabilisierung, sowie 
infolge von Veränderungen im Eisenverbrauch die tatsächliche Lebens- 
lauer des Eisens neuerdings von der bei normaler Entwicklung des 
Wirtschaftslebens üblichen Lebensdauer stark abgewichen. Wie 
Wirkten die genannten Störungen auf das durchschnittliche Lebensalter 
des investierten Eisens ein? 
‚Im Sinne der vorliegenden Ausführungen gelten die KEisen- 
Investitionen erst als „vernichtet“, beendigen sie ihr „Leben“, wenn sie 
als Schrott am Markt erscheinen. Wenn auch der Gebrauchswert der 
für Heereszwecke erfolgten Kriegsinvestitionen (an Munition und Ge- 
1) siehe S. 297. 
2) Vol. Iron Age, Bd. 119, Nr. 9 v. 3. II. 27. 
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