734 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Freilich: nicht am Rhein suchte er den Anlaß zu ihr. Längst
war er sich im klaren darüber, daß er günstig vielmehr
allein in Schlesien zu finden sei: „es handelt sich bei dem Ver—
suche, Schlesien zu erwerben, nur um die Ausführung von
Entwürfen, die ich seit langem in meinem Kopfe bewegt habe,“
hat er zwei Tage nach Empfang der Botschaft von des
Kaisers Tode geschrieben; und unmittelbar nach deren Ein—
treffen, am 26. Oktober 1740, sprach er die phrophetischen
Worte: „Es ist der Moment der völligen Umwandlung des
alten politischen Systems; der Stein hat sich gelöst, den Nebu—
kadnezar auf das Bild aus vier Metallen rollen sah, und der
sie alle zerstörte.“
Friedrich handelte rasch. Er verlangte von Maria Theresia
die Abtretung der Herzogtümer und Fürstentümer Jägerndorf,
Brieg, Wohlau und Liegnitz: auf sie habe er Erbrechte; und
jedenfalls besaß er für sie alle lange Rechtsdeduktionen, die, seit
Jahren hin und her erörtert, wenn auch nicht genau auf eben
den augenblicklichen Fall vorbereitet, dieses Erbrecht zu beweisen
oermeinten. Würde die junge Herrscherin auf die besagte
Weise auf Schlesien verzichten, so war Friedrich willens da⸗
gegen zu bieten: erstens das Versprechen, alle anderen Erbrechts⸗
ansprüche aus der Pragmatischen Sanktion zu verteidigen
sowie die Kaiserwahl Franz Stephans durchzusetzen; zweitens die
Zahlung einer noch zu bestimmenden Summe von barem Geld
an die österreichische Staatskasse; und drittens den Verzicht auf
Jülich-Berg. Würde Maria Theresia auf dies Angebot nicht
eingehen, so war der König entschlossen, ihr im Bunde mit
den anderen Erbprätendenten Bayern und Sachsen sowie Frank⸗
ceich den Krieg zu machen.
Am 14. Dezember 1740 hörte Maria Theresia durch den
Marchese Botta d'Adorno, der die Ankündigung ihrer Thron⸗
besteigung nach Berlin überbracht hatte, zum ersten Male von
diesen Absichten Friedrich; am 17. Dezember zeigte der
preußische Gesandte in Wien der Königin den Einmarsch
preußischer Truppen in Schlesien an, den alsbald zur Be—
tonung seiner Forderungen einzuleiten der König für gut be—