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inneren Anleihen hängt wesentlich von der gesamten Volksstimmung ab. So
wurde es den Nordstaaten im Bürgerkriege nicht sehr schwer, innere Anleihen
aufzunehmen.’^) Die Bereitwilligkeit der Bevölkerung, dem Staate Geld zur
Verfügung zu stellen, war damals durch eine Reihe vojn Gründen bestimmt:
die Liebe zu einem einheitlichen Staatswesen war groß, der Haß gegen die*
hochmütigen Südstaatler war ebenfalls nicht gering. Auch mag die Humanität
eine gewisse Rolle gespielt haben, die in der Bekämpfung der in den Süd
staaten herrschenden Sklaverei einige Befriedigung fand. Aber auch Geldgewinn
war zu erhoffen. Bei einem Siege konnte die Schutzzollpolitik zur Herrschaft
gelangen, Baumwolle, Tabak, Zucker, Reis würden dann innerhalb der Zoll
grenze der Union produziert werden, der Süden dem Norden ein günstiges
Absatzgebiet für seine Industrieartikel darbieten. Die Bevölkerung des eigenen
Landes hatte überdies jenes Vertrauen in den schließlichen Erfolg, das dem
Auslande abging. Die Demokratisierung des Staatskredits war damals bereits
weit vorgeschritten, da die Eigentümer von Geld dieses weniger in Sparkassen
deponierten, sondern vielmehr Aktien oder Obligationen kauften. Die hohen
Zinsen der Staatspapiere lockten ebenso wie die erhofften Kurssteigerungen.
Die Demokratisierung des Staatskredits wird in erster Reihe durch Ver
mehrung der Zahlstellen erreicht. Die Nordstaaten gingen im Bürgerkriege
zuweilen so weit, den rückständigen Sold in Staatsobligationen zu zahlen, was
einer Art Zwangsanleihe gleichzusetzen wäre. Auf diese Weise wurden die
Obligationen in Kreise gebracht, die ihnen sonst verschlossen gewesen vvären.
Heute können wir in Friedenszeiten vielfach die Tendenz beobachten, den Staats
kredit wieder zu demokratisieren. Es war 1793 eine Neuerung, als Pitt sich
des Zwischenhandels bei Emission einer Kriegsanleihe bediente. Man hoffte
damals durch die Konkurrenz der Obligationen kaufenden Bankiers Kurssteige
rungen zu erreichen, was aber zum Teil durch Koalition der Banken verhinoert
wurde. Entschließt sich ein Staat dazu, ein eigenes Bankinstitut für seine
Zwecke auszubauen — wie dies in Österreich jetzt bei der Postsparkasse der Fall
ist —, so ist die Verwendung eines solchen Instituts für Anleihezwecke sehr
naheliegend.
Emittieren die Regierungen Anleihen, so suchen sie nicht selten ihre Ab
satzfähigkeit durch mannigfache Differenzierungen zu erhöhen.Die Technik,
durch Privilegien Käufer heranzuziehen, ist heute schon überaus entwickelt.
Um etwa zu verhindern, daß ältere, niedriger verzinsliche Renten vom Publikum
verkauft werden, weil die Emission höher verzinslicher erwartet wird, kann z. B.
der emittierende Staat die höher verzinslichen Papiere als kurzfristige Anleihe
— als Schatzscheine — emittieren.^6) Wer jetzt das niedriger verzinsliche Papier
verkauft, das infolge des Krieges im Kurse gefallen ist, hat keine Hoffnung
mehr, den Kursverlust durch Steigerung des Kurses nach dem Kriege wieder
auszugleichen. Die Papiere können als Zahlungsmittel an den Staat erklärt
werden.^7) Sie können z. B. auch den Vorzug genießen, zu einem bestimmten
Minimalkurse als Kautionen dienen zu können. Lieferanten werden dadurch
leicht angereizt, um eine geringere Menge Geld Obligationen zu kaufen und
diese zu hinterlegen. Häufig gibt auch der Staat den Käufern von Renten be
sondere Vorrechte, falls sie sich an einer späteren Anleihe ebenfalls beteiligen
wollen.
Von den verschiedenen Mitteln der Regierung, im Interesse ihres Kredits,
insbesondere im Falle sie neue Renten emittieren will, den Obligationenkurs
7*) Während z. B. die französische Anleihe, die am 23. und 24. August
1870 gezeichnet wurde, von kleinen Rentnern aufgenommen wurde, fand die
Bundesanleihe vom 20. Juli nur wenig Anklang (Sydow, Theorie und Praxis
in der Entwicklung der französischen Staatsschuld seit dem Jahre 1870. Jena
1903, S. 52).
75) Vgl. C. V. Hock, a. a. O. S. 443.
76) Vgl. K. H elf f rieh, a. a. O. S. 90.
77) Vgl. K. He Iff rieh, a. a. O. S. 93; vgl. C. v. H o c k, a. a. O. S. 441;,
Über Verwendung bei Zollzahlungen. Ebenda. S. 413.