Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

750 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
wenigstens noch einen neuen Vorteil auszuspielen hatte. Wie 
gern hätte die Königin nach Karls VII. Tode ihren Gemahl 
zum Kaiser gewählt gesehen! Fast etwas wie einen Anspruch 
schien sie auch diesmal auf diese Wahl zu erheben; und auch 
das deutsche Volk erwartete sie als etwas beinahe Selbst—⸗ 
verständliches und hier und da nicht ohne Ungeduld. So 
vermochte Friedrich, ohne sich eben viel zu vergeben, der Königin 
bei den Verhandlungen die brandenburgische Stimme für die 
Kaiserwahl ihres Gemahles anzubieten. Es war dies damit 
einer der Punkte, die in der Konvention von Hannover vom 
26. August 1745 eine Rolle spielten, in der sich König Georg II. 
bon England zu einer Vermittlung zwischen Preußen und 
Osterreich erbot. Aber diese Vermittlung führte zu keinem 
Ziele! Im Gegenteil: eben in diesen Tagen hatte sich Maria 
Theresia, nun ihrer Sache gewiß, noch einmal kräftig mit 
Sachsen zur Fortführung des Krieges verbunden; und trotz 
brandenburgischen wie auch pfälzischen Einspruches setzte sie 
am 13. September die Wahl ihres Gemahles zum Kaiser 
durch. Ja sie reiste sogar zu dessen Krönung, am 4. Ok— 
tober, selbst nach Frankfurt; mit hoher Freude hat sie 
ihr beigewohnt und nachher dem soeben Gekrönten, da der 
Krönungszug zum Römer ging, aus einem der dem Römer 
benachbarten Häuser ein erstes begeistertes Vivat Franciscus 
zugerufen. 
Allein eben in jenen Tagen hatte in dieser an Um— 
schwüngen so reichen Zeit ein neuer Aufflug des preußischen 
Aars begonnen. Am 30. September schlug König Friedrich 
den Prinzen von Lothringen bei Soor. Am 23. November 
— 
in das brandenburgische Zentrum begonnen hatte, in der Lausitz 
bei Katholisch-Hennersdorf. Am 15. Dezember zersprengte der 
Alte Dessauer bei Kesselsdorf die Sachsen unter Rutowski und 
die Österreicher unter Grünne. Am 18. Dezember zog Friedrich, 
nun bald wenn auch zunächst nur in seinen Staaten Friedrich 
der Große genannt, in Dresden ein. Und schon am 28. De— 
zember kehrte der König wiederum nach Berlin zurück — nach—
	        
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