748 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
den deutschen Fürsten einen Bund zum Schutze des Kaisers
und der Reichsverfassung zu begründen.
Aber es war bezeichnend, wie wenig ihm das gelang; ja
wie wenig es sich überhaupt als möglich ergab, ein weiteres
Aufsteigen Osterreichs mit diplomatischen Mitteln zu verhindern.
Kursachsen-Polen schwenkte unter der Führung des Grafen
Brühl zu sterreich ab; in Rußland schien der österreichisch—
englische Einfluß, durch den Grafen Bestuschew-Rjumin vertreten,
siegen zu wollen; auch die Generalstaaten traten, im Schlepp⸗
tau Englands, auf die Seite der Feinde Preußens.
So schien es denn klar: suchte Osterreich keine Ver—
ständigung mit Preußen, so mußte im Jahre 1744 von neuem
um den Besitz Schlesiens gekämpft werden. Am 85. Juni schloß
darum König Friedrich ein neues Bündnis mit Frankreich, das
Großbritannien und Osterreich den Krieg erklärte; schon vor—
her hatte er wenigstens mit den Kurfürsten von Köln und von
der Pfalz wie mit Württemberg und Hessen-Kassel eine Union
zur Aufrechterhaltung der Reichsverfassung geschaffen, der am
24. Juli in Frankfurt ein Bündnis mit dem Kaifer selber
folgte.
Darauf, im August 1744, brach er gegen Österreich los.
Ein Manifest vom 10. August gab als Zweck feines Einmarsches
in Böhmen, den er durch Sachsen nahm, an, „das Systema
und die Freiheit des Reiches wider die ihm so gar nahe
drohende Gefahr zu garantieren und dessen Ruhe mittels eines
rechtmäßigen und billigen Friedens, dessen Gründlichkeit und
Dauer die schon wankende deutsche Freiheit wieder befestigen
könne, in den vorigen Stand zu stellen und zu versichern.“
Am 2. September stand er vor Prag, am 16. September
kapitulierte die Stadt und huldigte Karl Albert von neuem
als König: es schien wie eine Wiederherstellung des Zustandes
vor der böhmischen Krönung Maria Theresias.
Aber bald schlug das Glück Friedrichs um. Die Franzosen,
die nach der ursprünglichen Kriegsabsicht die österreichischen
Truppen am Oberrhein festhalten sollten, erlahmten, zumal nach⸗
dem Ludwig XV. in Metz erkrankt war, und begnügten sich