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V. Die Hanse und die nordischen Länder
beteiligte Johann von Ankem haben z. B. um 1350 den Handel mit schwedi-
schen Metallen vorzugsweise betrieben und ihn in der Weise mit dem Handel
mit flandrischem Tuch und Lüneburger Salz verbunden, daß diese Gegen-
werte für ihre Ausfuhr von schwedischen Metallen und Rohprodukten dar-
stellten. Oberdeutsche Waren, namentlich Nürnberger Herkunft, scheint der
Ratsherr Hartmann Pepersack als Gegenwerte schon in der Mitte des 14. Jahr-
hunderts nach Schweden gebracht zu haben. — Über Wisby nahmen auch
noch im 14. Jahrhundert ostbaltische Waren, namentlich Rauchwaren, ihren
Weg nach Lübeck. Sehr nahe Geschäftsbeziehungen zwischen Schweden und
Deutschen, auch im Gesellschaftswesen und kaufmännischen Kreditverkehr,
lassen sich während des ganzen 14. Jahrhunderts nachweisen. —
Ganz anders liegen die Dinge im Verkehr mit Norwegen, der sich bekannt-
lich auf das hansische Kontor in Bergen konzentrierte. Hier lag das hansisch-
norwegische Geschäft, sicher seit etwa 1350, ganz in den Händen der Deut-
schen. Der technische Aufschwung der deutschen Seeschiffahrt in den letzten
Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts ist der norwegischen Schiffahrt auf dieser
ihrer alten Route verhängnisvoll geworden. Und wie der technische Auf-
schwung der Schiffahrt gerade das Aufkommen der Sundfahrt ermöglichte,
so sind es nun seit rund 1300 die Koggen der Lübecker, die sich dieses Ver-
kehrs bemächtigen; während bis dahin die deutschen Nordseehäfen Bremen
ınd Hamburg den deutschen Kaufmann in Bergen vertraten. Wie ich schon
andeutete, war es gerade dieser Teil der Umlandfahrt, der in Lübeck allein
zern gesehen wurde, weil er allein auch dem Lübecker Handel neue Möglich-
keiten erschloß. Die Jahrzehnte um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts
sind nun aber eine Zeit, wo sich in Lübeck echte Unternehmerkräfte in einer
Stärke, aber auch in einer Rücksichtslosigkeit regen, wie man sie bisher für
das Mittelalter als ausgeschlossen gehalten hat. Der Geist dieser Zeit hat
denn auch den damals intensiver werdenden Beziehungen zu Norwegen sein
Gepräge gegeben. Rücksichtslos nutzte man seine technische und kauf-
männische Überlegenheit aus. Der hansische Kaufmann verdrängte eben
damals den norwegischen aus seinem altgewohnten Verkehr nach England.
Hier schob er sich als Zwischenhändler ein, und daraus erwuchs für das
bisher schiffahrtgewohnte Land ein Zustand, den der norwegische Forscher
Alexander Bugge als den Untergang der norwegischen Schiffahrt bezeichnet
hat. Norwegen hat also das Aufkommen der von der Ostsee zur Nordsee gehenden
Umlandfahrt in ihren Folgen schwer und bitter empfunden. Dazu geriet das
eben damals seiner Schiffahrt beraubte Land in eine allgemeine Abhängigkeit
von dem hansischen, namentlich dem Lübecker Kaufmann. Vermittelte er
doch jetzt fast monopolartig den ganzen Außenhandel des getreidearmen
und damit auf Zufuhr von auswärts direkt angewiesenen Landes. Das Land
brauchte deutsches Getreide, das Land mußte aber auch ausführen können,
um das Getreide zu bezahlen. Sein wertvollstes, im Mittelalter sehr beliebtes