Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Schmutzwasser 
mit Soda und Salpeter (S. 165, No. 2 oder S. 780, No. 22), löst in Salpetersäure, 
fällt mit molybdänsaurem Ammon und verfährt wie sonst nach S. 150. 
18. Prüfung auf Haltbarkeit bezw. Gärversuche mit den Abwässern. Seitens 
der Behörden wird vielfach vorgeschrieben und als eine genügende Bedingung eines 
Reinigungsverfahrens angesehen, daß sich das betreffende Wasser 5, 10 oder mehr 
Tage klar hält und nicht in Fäulnis übergeht, oder daß es in einer Tiefe von etwa 
1 / 2 m durchsichtig erscheint usw. Diese Anforderungen sind recht ungenau und 
erfüllen nicht ihren Zweck. 
Bei den mit Chemikalien, besonders unter Mitanwendung von Kalk gereinigten 
Abwässern läßt es sich sehr leicht durch überschüssigen Zusatz von Kalk erreichen, 
daß sie hell und klar aussehen und sich in gut verschlossenen Flaschen wochen 
lang klar halten, ohne Bakterien und Fäulnis aufkommen zu lassen. Der über 
schüssige freie Kalk verhindert eben die Bildung bezw. Entwickelung der Fäulnis 
bakterien usw. Läßt man aber die gereinigten, überschüssigen freien Kalk ent 
haltenden Abwässer in offenen Gefäßen tage- und wochenlang stehen, so bildet 
sich zwar allmählich eine weißliche Trübung bezw. ein Bodensatz von sich aus 
scheidendem unlöslichem kohlensaurem Calcium (mit mehr oder weniger organischen 
Stoffen), oder das kohlensaure Calcium löst sich unter Umständen bei hinreichender 
Kohlensäurebildung wieder auf und das Abwasser enthält wieder zahlreiche Bakterien, 
ohne daß Fäulnisgeruch auftritt. Hier haben die Fäulnisbakterien mit der allmäh 
lichen Abstumpfung des freien Kalkes durch Kohlensäure sich wieder eingestellt 
und eine mehr oder weniger vollständige Zersetzung und Vergasung der gelösten 
organischen Stoffe zur Folge gehabt, ohne daß sich diese Zersetzung äußerlich dem 
bloßen Auge oder dem Geruchssinn zu erkennen gibt. Auch ein an sich fauliges, 
stark nach Schwefelwasserstoff oder Ammoniak riechendes Schmutzwasser verliert 
beim Aufbewahren in offenen Gefäßen infolge Selbstreinigung durch die Tätig 
keit der Mikroorganismen unter Hinzutritt des Luftsauerstoffs äußerlich seine Fäul 
nisbeschaffenheit, wird geruchlos und sogar mehr oder weniger farblos, d. h. nicht 
schmutzig aussehend. 
Eine derartige Vorschrift hat daher wenig praktischen Wert. Es läßt sich 
aus dem Verhalten des gereinigten Abwassers beim Aufbewahren in verschlossenen 
oder offenen Gefäßen kein sicherer Schluß ziehen, wie sich dasselbe unverdünnt 
oder verdünnt in der Natur, d. h. in einem Bach- oder Flußwasser verhalten wird. 
Denn wenn der im Uberschuß vorhandene freie Kalk durch die in den natürlichen 
fließenden Wässern stets vorhandene freie oder Bicarbonat-Kohlensäure abgestumpft 
wird, so stellen sich die überall vorhandenen Fäulnisbakterien schnell und zahlreich 
wieder ein, und wenn die Entwickelung derselben bei wärmeren Temperaturen eine 
gesteigerte oder die Menge und die Stromgeschwindigkeit des betreffenden Bach 
wassers eine verhältnismässig geringe ist, so daß es an genügendem Sauerstoff fehlt, 
so kann recht wohl einerseits wieder Schlammbildung, andererseits Fäulnis mit 
üblen Gerüchen in dem Wasser auftreten. 
Nichtsdestoweniger ist es unter Umständen von Belang, die Haltbarkeit der 
ungereinigten und gereinigten Abwässer im natürlichen oder verdünnten Zustande 
(1 : 5 oder 1:10) durch Aufbewahren in offenen und verschlossenen Gefäßen zu 
ermitteln, bezw. zu verfolgen, innerhalb welcher Zeit sich die vorhandenen orga 
nischen Stoffe zersetzen und verschwinden. Man verfährt alsdann wie folgt: 
a) Je 2 Flaschen mit 1 / 2 —1 1 Wasser werden offen hingestellt. 
b) , 
. 2 
11 11 
11 
11 
,. mit sterilisierter Watte 
verschlossen. 
c) ,, 
9 
! - 1 11 
11 11 
,. mit gut schließenden 
schlossen. 
Korken ver-
	        
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