Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Chemische  Untersuchung.

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Das  Verfahren  ist  nicht  ganz  fehlerfrei,  liefert  aber  für  Abwässer  genügend
richtige  Ergebnisse.
Unter  Umständen  kann  statt  der  Thiosulfatlösnng  auch  1 / 10  Normal-Arsenlösung ­
  (4,950  g  arsenige  Säure  in  200  ccm  Wasser  mit  10  g  Natriumbikarhonat
gelöst  und  auf  1  1  verdünnt)  angewendet  werden,  indem  man  das  Ende  der  Reaktion
nach  dem  Tüpfelverfahren  auf  Jodkaliumstärkepapier  (getränkt  mit  einer  filtrierten
Lösung  von  1  g  Stärke  in  100  ccm  gekochtem  Wasser  und  Zusatz  von  0,1  g  Jodkalium) ­
  feststellt.  Auch  hier  ist  1  ccm  Arsenlösung  =  0,003545  g  CI  =  0,012697  g  Jod.
16.  Freie  Salzsäure  und  Schwefelsäure.  Die  Bestimmung  der  freien  Salzsäure ­
  und  Schwefelsäure  ist  vielfach  ebenso  wünschenswert  als  schwierig  (vergl.
No.  4,  S.  864).  Eine  Titration  der  freien  Säuren  mit  titrierter  Alkalilauge  ist
nur  dann  möglich,  wenn  nicht  gleichzeitig  an  sich  sauer  reagierende  Metallsalze
vorhanden  sind,  die  durch  freies  Alkali  zersetzt  werden.  Eine  Titration  selbst  bis
nur  zur  Bildung  eines  Niederschlages  ist  ungenau.  In  vielen  Fällen  kann  man  sich
in  der  Weise  helfen,  daß  man  sämtliche  Basen  und  Säuren  bestimmt,  diese  auf
Salze  umrechnet  und  den  verbleibenden  Überschuß  an  Säuren  als  freie  Säuren,  und
zwar  nach  der  Säure  berechnet,  die  in  der  größten  Menge  vorhanden  ist.  Das  hat
aber  seine  Schattenseiten,  wenn  gleichzeitig  Ferro-  und  Ferrisalze  neben  viel  organischen ­
  Stoffen  vorhanden  sind.  Die  quantitative  Bestimmung  der  Ferrosalze
gelingt  dann  nur  annähernd,  wenn  die  Titration  mit  Kaliumpermanganat  in  der
Kälte  und  rasch  ausgeführt  wird.  Sind  aber  gleichzeitig  auch  salpetrige  und
schweflige  Säure  vorhanden,  so  läßt  dieses  Verfahren  ganz  im  Stich.
Das  Eindampfen  des  Wassers  und  Ausziehen  mit  absolutem  Alkohol  nach
Fresenius  Vorschläge  ist  nur  anwendbar,  wenn  nur  nicht  flüchtige  Schwefelsäure ­
  u.  a.  vorhanden  sind.
In  vielen  Fällen  kann  der  Vorschlag  von  Friedr.  Hoffmann 1 )  aushelfen,
nämlich  das  sauere  Wasser  mit  Ferrocyankalium  zu  versetzen,  absitzen  zu
lassen  und  einen  aliquoten  Teil  der  klaren,  Uberstehenden  Flüssigkeit  zu  titrieren.
Hierdurch  werden  die  meisten  Schwermetalle  gefällt;  sind  auch  Ferrosalze  vorhanden, ­
  so  würde  man  gleichzeitig  Ferricyankalium  zusetzen  müssen;  aber  wenn
gleichzeitig  Aluminium-  oder  Chromisalze  usw.  vorhanden  sind,  so  versagt  auch
dieses  Verfahren.
Handelt  es  sich  um  eine  quantitative  Bestimmung  von  freier  Schwefelsäure
neben  Salz-  oder  Salpetersäure,  so  kann  man  sich  vielleicht  des  Verfahrens  von
Adolf  Müller' 2 )  bedienen,  nämlich  die  Schwefelsäure  (freie  wie  gebundene)  durch
Titration  mit  einer  Lösung  von  salzsaurem  Benzidin  zu  bestimmen.
Immerhin  hat  die  Bestimmung  der  freien  Säuren  (Salzsäure  und  Schwefelsäure) ­
  in  einem  Schmutzwasser  in  vielen  Fällen  große  Schwierigkeiten,  in  manchen
Fällen  wird  man  durch  eine  gleichzeitige  sinngemäße  Anwendung  zweier  oder  aller
vorstehend  angedeuteten  Verfahren  zum  Ziele  gelangen  können.
17.  Sonstige  Mineralstoffe.  Die  sonstigen  Mineralstoffe  (Kalk,  Magnesia,  Kali,
Natron,  Schwefelsäure)  werden  in  den  geglühten  Abdampfrückständen  wie  üblich
bestimmt.
Für  die  Bestimmung  von  selteneren  Bestandteilen,  z.  B.  Zink,  Kupfer  usw.,
sind  durchweg  entsprechend  größere  Mengen  Wasser  unter  Zusatz  von  geeigneten
Säuren  usw.  vorher  einzudampfen.
Zur  Bestimmung  der  Phosphorsäure  verdampft  man  eine  größere  Menge
Wasser  ( 1 / 2 —2  1  je  nach  dem  Gehalt)  in  Platinschalen  zur  Trockne,  glüht,  schmilzt

*)  Chem.-Ztg,  1893,  17,  1318.
2 )  Berichte  d.  deutschen  ehern.  Gesellschaft  1902,  35,  1587.
            
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