Full text: Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

DER AUSZUG DER PLEBEJER 
heiten, vor allem des Vereinsrechtes, möglich, da eine wirk- 
same Demonstration ohne Organisation entweder von vorn- 
herein mit Gewalttätigkeit und Plünderungen identisch oder 
unmöglich ist. 
Als die Plebejer Roms mehrere Male.durch Verheißungen 
der Patrizier getäuscht wurden, ohne daß sich ihre Lage bes- 
serte, zogen sie im Jahre 4094 v. Chr. auf den heiligen Berg am 
Anjo und schlugen dort ein befestigtes Lager auf, um so den 
Patriziern durch die Tat vor Augen zu führen, daß sie bereit 
wären, bei Verweigerung von Zugeständnissen eine neue 
Heimat aufzusuchen. Bekannt ist die von Menenius Agrippa 
aus diesem Anlasse den Plebejern erzählte Fabel vom untätigen 
Magen und den übrigen Gliedern des menschlichen Körpers. 
Die Plebejer erreichten auch tatsächlich durch diese Demon- 
stration das Volkstribunat. Die Plebejer drohten noch 
weitere zwei Male (449 v. Chr. und 287 v. Chr.) durch den 
Auszug auf den heiligen Berg mit der Auswanderung; sie er- 
reichten durch die zweite Demonstration das Recht, verbind- 
liche Beschlüsse vorbehaltlich der Zustimmung des Senats 
zu fassen, und durch die dritte Demonstration, Maßnahmen 
gegen die übermäßige Okkupation von Staatsländereien durch 
die Adeligen. 
In der Neuzeit werden bei Demonstrationen (s. Abb. 194 
u. I95) in der Regel Tafeln mit Aufschriften und Bildern 
getragen, um auf diese Weise ihren Zweck bekanntzugeben. 
Da aber vielfach Demonstrationen trotz guter Organi- 
sation entweder mit Gewalttätigkeiten und Drohungen ver- 
bunden sind oder die Anwendung solcher bei Nichterfüllung 
der Forderungen bevorsteht, so ist vielfach nur ein kleiner Teil 
ihrer Erfolge auf die ihnen innewohnende Reklamewirkung 
zurückzuführen. Als eine gewisse Art der Demonstration ist 
auch das Tragen politischer Abzeichen aufzufassen, wodurch 
die Anhänger die Verbreitung ihrer Grundsätze versinnbild- 
lichen wollen. 
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